Schuppenflechte tritt meist auf der Haut auf. Sie kann sich aber ebenso unter den Nägeln oder in den Gelenken entwickeln. Psoriasis Arthritis ähnelt der rheumatischen Arthritis. Therapien und Tipps für Rheumakranke gelten deshalb auch für Psoriatiker mit Gelenkbeteiligung. Je früher die Erkrankung erkannt und behandelt wird, desto länger kann man hinauszögern, dass sie sich verschlimmert. Wer eine Gelenk-Pso hat, muss sehr viel Geduld aufbringen. Als Patient sollte man sich unbedingt regelmäßig und seriös darüber informieren, welche neuen Erkenntnisse, Therapien und Medikamente es gibt. Nur so kann man die Therapieentscheidungen des Arztes verstehen und unter-stützen und ist gewappnet gegen angebliche Wundermittel und unseriöse Heilsversprechen.
Psoriasis Arthritis sollte möglichst von Experten behandelt werden: Das sind (möglichst internistische) Rheumatologen und die Berliner Spezial-Kliniken Immanuel Krankenhaus, Rheumaklinik Buch, Charité oder Schlosspark-Klinik. Derma-tologen bzw. Ortho-päden, die sich damit gut auskennen, gibt es schon weniger. Beim Gesund-heitslotsendienst der Ärztekammer Berlin kann man entsprechende Adressen erfahren (Tel. 408 06 0, Internet:
www.Aerztekammer-Berlin.de).
Keine Gelenkzerstörungen bei rechtzeitiger Behandlung
Schuppenflechte in den Gelenken oder den Wirbeln kann jeder bekommen; auch wenn die Haut völlig gesund ist. Deshalb sollte man unbedingt die folgenden Symp-tome unter-suchen lassen, sofern sie längere Zeit anhalten:
• Gelenke schwellen an und schmerzen
• Entweder „strahlenmäßiger Befall“ z.B. eines Fingers wie Grundgelenk + Mittel-gelenk + Endgelenk oder „quermäßige Befall“ mehrerer Finger wie alle Mittel- oder nur alle Endgelenke.
• Schmerzen tief im Kreuz, die vor allem frühmorgens auftreten, so dass man davon oft wach wird. Sie bessern sich erst mehrere Stunden nach dem Aufstehen.
• Im Laufe der Zeit kann die Wirbelsäule morgens für 2-3 Stunden steif werden, später wird sie unbeweglicher.
• Schmerzen an Fersenbeinen, Achillessehnen, an Rippenansätzen, in der Brustbeinregion, im oberen Teil des Brustbeins oder an Schulter- und Hüftgelenken.
Die Symptome kommen schubartig mit längeren Unterbrechungen. Zum Beispiel hat der Betroffene einige Wochen schwere Schmerzen. Dann geht die Schwellung wieder zurück und kommt (manchmal erst nach Jah-ren!) wieder. Außer-dem können über die Jahre verschiedene Gelenke betroffen sein. Mal ist das Mittel-gelenk des linken Ringfingers geschwollen. Die Schwellung verschwindet. Nach einigen Jahren schwillt das rechte gleiche Gelenk am rechten Ringfinger an.
Betroffen sein kann jedes Gelenk, sogar das Kiefergelenk.
Wenn Sie eines dieser typischen Anzeichen für die Psoriasis Arthritis bei sich fest-stellen, gehen Sie unbedingt damit zum Arzt und warten Sie nicht zulange!
Diagnose beim Spezialisten
Wenn Psoriatiker mit Gelenkschmerzen zum Arzt gehen, liegt es nahe, auf Psoriasis Arthritis zu tippen. Sie können aber auch an Rheuma oder normaler Gelenkabnutzung (Arthrose) erkrankt sein. Im Frühstadium ist Psoriasis Arthritis schwer nachweisbar und kann leicht mit anderen Erkrankungen verwechselt werden. Am Beginn steht meist ein unauffälliger Befund, der nur von erfahrenen Spezialisten richtig gedeutet werden kann. Eine Fehldiagnose kann dazu führen, dass nicht oder falsch behandelt wird. Leider verdrängen viele Patienten ihre Schmer-zen anfangs oder gehen zu spät zum Arzt. Die Psoriasis Arthritis verläuft in 10% aller Fälle sehr aggressiv: Innerhalb eines halben Jahres sind die Gelenke zerstört, wenn die Erkrankung nicht rechtzeitig erkannt und behandelt wird! Eine Fehldiagnose würde im Extremfall dazu führen, dass in kurzer Zeit das Gelenk unwiederbringlich zerstört oder die Wirbelsäule für immer versteift ist. Typisch sind geschwollene Gelenke. Wer Pso in den Fingergelenken hat, kann z.B. keine Faust ballen und der Ehe-ring passt nicht mehr, weil die „Wurstfinger“ nicht völlig zurückgehen.
Um festzustellen, ob jemand unter Gelenk-Pso leidet, gibt es verschiedene Diagnoseverfahren. Keines kann 100%ig sicher feststellen, ob eine Psoriasis Arthritis vorliegt. Es gibt dem Arzt aber wichtige Hinweise. Wichtig ist es, die Beschwerden genau zu be-schreiben, um sie von anderen rheumatischen Erkrankungen abzugrenzen. Blut-unter-suchungen bringen weniger, weil es keinen „Psoriasis-Arthritis-Faktor“ gibt. Außerdem können Schmerzen auch von anderen Entzündungen herrühren. Bei Röntgen-unter-suchungen sind anfängliche Knorpel-verände-rungen nicht erkennbar. Man sieht erst etwas, wenn die Knochen schon ver-ändert sind. Dann aber ist die Gelenk-Pso schon fortgeschritten. Aufnahmen von Händen und Vorfüßen helfen, die Psoriasis Arthritis von der rheumatoiden Arthritis zu unterscheiden. Genauere Hinweise auf eine Psoriasis Arthritis gibt eine Szinti-graphie. Dabei wird eine schwach radioaktive Substanz gespritzt, die sich an den entzündeten Knochen besonders deutlich ablagert. Mit einer speziellen Kamera werden die Gelenke dann fotografiert. Entzündungen lassen sich schon nachweisen, wenn noch keine Schmerzen auf-treten. Die radioaktive Belastung entspricht der doppelseitigen Untersuchung der Lendenwirbelsäule. Mit Ultraschall kann man zwar erkennen, ob eine GelenkInnen-haut verdickt ist, weiß aber nicht sicher, ob die Psoriasis daran schuld ist. Die Kern-spin-Tomo-graphie (MRT) ist die beste Möglichkeit, um völlig strahlungsfrei Knochen, Knorpel und Gelenk-Innenhaut nach Psoriasis Arthritis zu untersuchen. Dabei wird eine Kontrastflüssigkeit gegeben, die sich an den entzün-deten Stellen ablagert. Die Ergebnisse sind ziem-lich genau, das Verfahren ist aber sehr teuer. Deshalb wird es nur angewendet, wenn anders kein eindeutiges Ergebnis zu bekommen ist.
Gelenke bewegen, nicht schonen
Wer akut betroffen ist, wird behandelt wie Rheumatiker. Das A und O sind tägliche krankengymnastische Übungen oder Reha-Maßnahmen. Wer glaubt, sich zu schonen, verschlimmert die Situation, weil auch bei entzündeten Gelenken weiter „geschmiert“ werden muss. Krankengymnastik mit Fango, Moor oder Wasser soll Schmerzen lindern und die Gelenk-funktionen verbessern. Durch eine Kältekammer- Therapie verschwinden zeitweise die Gelenkbeschwerden, Schwellungen gehen zurück und die Gelenke werden beweglich, um gymnastische Übungen machen zu können.
Medikamente lebenslang einnehmen?
Eine Basistherapie braucht mindestens zwei Monate, bis sie anschlägt. Die Patienten müssen Medikamente einnehmen, die nicht nur die Entzündung hemmen, sondern auch den Schmerz lindern oder beseitigen. Denn wer schmerzfrei ist, bewegt seine Gelenke wieder. Viele müssen lebenslang Medikamente schlucken! Bei der Psoriasis Arthritis gibt es aber jahrelange Stillstände. Dann können Medikamente abgesetzt werden, wenn noch keine Knochen angegriffen sind. Deshalb ist es für den Arzt un-geheuer wichtig, dass die Patienten alle auch ältere Röntgenunterlagen mitbringen. Nur im Vergleich kann er feststellen, welche Knochenveränderungen bedeutend sind.
Medikamente machen beschwerdefrei, solange das Medikament eingenommen wird. Aber es gibt kein Medikament, das die Gelenk-Pso heilt. Man sollte immer wieder austesten, ob man nicht mit weniger starken Medikamenten aus-kommt. Es kann ent-weder versucht werden, niedriger zu dosieren oder sich „auszu-schleichen“. Viele Patienten lehnen Mittel ab, wenn sie von den Nebenwirkungen hören. Sie gehen damit ein hohes Risiko ein, dass ihre Gelenke zerstört werden. Fast jedes Medikament hat Risiken. Man kann heutzutage die Therapien gut überwachen.
Zuerst wird man kortisonfreie Anti-Rheumatika (NSAR) wie Diclofenac und Ibuprofen anwenden. Diese Mittel wirken rasch, reichen aber in schwereren Fällen oft nicht aus. Mög-liche Nebenwirkungen sind Magengeschwüre, -blutungen oder -durchbrüche. Achten Sie unbedingt darauf, ob Sie schwarzen Stuhlgang („Teer-stuhl“) haben!
Am meisten verbreitet ist MTX (Methotrextat). Es gilt bei den Rheumatologen als „der Renner“. Nicht nur, weil es mit z.Zt. 40 Cent pro Tag am billig-sten ist. Es wirkt gut, und ernsthafte Neben-wirkungen werden nicht genannt. Mögliche Entzündungen der Mund-schleimhaut, Übelkeit oder vermehrter Haarausfall bilden sich zurück, wenn MTX abgesetzt oder die Menge verringert wird. Schwangerschaften sind nicht erlaubt! Und: Leber-, Nieren- und Blutwerte müssen regelmäßig überwacht werden. Leberwerte schon vor der ersten Einnahme. Es gibt Ärzte, die nach zehn Wochen Einnahme von MTX das Lebergewebe untersuchen lassen (Biopsie). MTX verträgt sich mit einigen anderen Mitteln nicht, wie z.B. Retinoide, Ciclosporin, Fumarate und PUVA-Therapie. Bei kortisonfreien AntiRheuma-tika (NSAR) muss ebenfalls auf die Leberwerte geachtet werden.
Viele Rheumatologen wissen nicht, dass das relativ harmlose Mittel Fumaderm“ erfolgreich bei Psoriasis Arthritis getestet worden ist. Wer das Medikament wegen seiner Haut-Psoriasis nimmt, muss die Dosis nur geringfügig erhöhen, um Auswirkungen auf die Gelenke zu erreichen. Das ist eine echte Alternative zu schweren Medikamenten.
Ciclosporin (Sandimmun) wird verschrieben, wenn Patienten andere Medikamente nicht vertragen. Vor allem die Nierenfunktion muss regelmäßig kontrolliert werden.
Kortison sollte wegen der Nebenwirkungen nur in sehr schweren Fällen eingesetzt werden. Es wird direkt in die befallenen Gelenke gespritzt. Maximal 4x pro Jahr in das gleiche Gelenk.
Die neuen Wirkstoffe sind meist sehr teuer. Zugelassen ist ein „TNFa-Blocker“ (Enbrel). Im Jahr kostet dieses Mittel 20.000 Euro und wird deshalb nur bei sehr schwerer Pso-riasis Arthritis verordnet. Der Arzt muss der Krankenkasse besonders begründen, weshalb er den teuren Wirkstoff verschrieben hat. Enbrel spritzt man sich 2x pro Woche selbst. Das Wirkungsprinzip kommt aus der Biotechno-logie: Ein Botenstoff wird ab-ge-fangen, der die Entzündung der Gelenke bewirkt. Wer Enbrel nimmt, ist empfind-licher für Infektionen. Das gilt auch für den Wirkstoff Etanercept (Infliximab), der im Präparat Remicade enthalten ist. Dieses Mittel ist für Psoriasis Arthritis in Deutschland (noch) nicht zugelassen. Die Behandlung kostet z.Zt. pro Jahr 15.000 Euro.
Einen völlig anderen Weg geht die Radiosynoviorthese (RSO). Dabei wird Radioaktivität in niedriger Dosierung ins Gelenk injiziert, um die Entzündung zu „zerstrahlen“. Die entzündete Gelenkschleimhaut wird „verschorft“, wandelt sich in Binde-gewebe um und die Schwel-lung verschwindet. Gleichzeitig werden die Lymphozyten (Ab-wehrzellen) zerstört, die die Entzündung fälschlicherweise bewirkt haben. Die Strahlenbelastung entspricht der einer normalen Röntgenaufnahme. Man kann das nur machen, wenn wenige Gelenke betroffen sind. Dieses Verfahren ist eine Alternative zur Operation oder zu nebenwirkungsstarken Medikamenten. Bei der Gelenk-Innenhaut muss man eventuell mehrmals behandeln. Zurückhaltender ist man heute damit, die Gelenk-Innenhaut eines Gelenkes zu entfernen. Das ist eine komplizierte Opera-tion, die sehr viel Fachkenntnis und Erfahrung verlangt. Verbliebene Reste können schon nach einem halben Jahr nachwuchern.
Naturmittel
Einige von uns haben sehr gute Erfahrung gemacht mit dem Naturmittel Theraflax. Das ist ein südafrikanisches Gemisch aus Flachs- und Kümmelöl. Vor allem bei der Gelenk-Pso gab es einige deutliche Erfolge. Aber eben nicht bei allen, die es aus-probiert haben, sondern nur bei 40%. Theraflax ist kein Medi-kament, sondern ein "diätisches Lebensmittel". Es ist eine mögliche und vor allem nebenwirkungsfreie Alternative zu Medikamenten, muss aber selbst bezahlt werden.
Inzwischen liegen seriöse Erfahrungen mit Weihrauch vor. Bei etlichen Patienten besserte das Präparat H 15 Gufic die Gelenk-Pso. Es handelt sich dabei um ein Trockenextrakt aus dem Harz des indischem Weihrauchbaums. Auf ärztliche Ver-ordnung kann es jede Apotheke besorgen. Aber Vorsicht: Nachdem sich herum-gesprochen hat, dass Weihrauch gegen chronische Entzündungen aller Art helfen kann, werden zahlreiche ähnliche Präparate angeboten. Keines davon kann es mit dem Original aufnehmen.
Gute Erfolge bietet auch ein Aufenthalt in der Kältekammer. Es genügt, vier Wochen dreimal täglich für höchstens drei Minuten in eine Kältekammer bei Temperaturen von Minus 110o C zu gehen. Dadurch sinkt kurzfristig die Hauttemperatur auf +12o C und beeinflusst T-Helfer- und T-Supressor-Zellen. Die Gelenk-schmerzen verschwin-den für längere Zeit.
Ernährung
Es gibt keine eindeutige Diät, mit der Rheuma oder Psoriasis Arthritis [allein] behandelt werden könnten. Auch wenn das von einigen „Rheumadiät-Schulen“ sehr über-zeugend behauptet wird. Alle Ernährungsempfehlungen für Psoriatiker und für Rheumatiker gelten auch bei der Psoriasis Arthritis. Grundsätzlich kann eine Diät oder eine Fastenkur die Behandlung unterstützen. In leichten Fällen kann man dadurch sogar monatelang Medikamente absetzen. Aber welche Diät „die richtige“ ist, muss man leider selbst ausprobieren. Das heißt, man beobachtet bei sich selbst, welche Lebensmittel die Gelenk-Psoriasis negativ beeinflussen. Wer wichtige Nahrungs-mittelgruppen weglassen will, sollte sich unbedingt vorher beraten lassen. Nicht jede Rheuma-Diät berücksichtigt, was passiert, wenn man dem Körper wichtige Stoffe vorenthält. Schnell kommt es zu Mangelerscheinungen.
Einige Rheumadiätvorschläge
Säurefreie und allergiearme Kost gibt es in Bioläden und Reformhäusern. Als absolutes Spitzenprodukt gilt Spirulina, das ist eine (teure) Algenart.
Glutenfreie Diät, d.h. keine Produkte aus Getreide wie Weizen, Hafer, Gerste oder Roggen (Brot, Backpulver, Gerste, Bier, Bulgur, Getreideflocken, Couscous, Mehl, Teigwaren).
Mehrfach ungesättigte Fettsäuren wie Omega-6-Fettsäuren (Maiskeimöl, Sonnenblumenöl, Distelöl, Weizenkeimöl, Safloröl, Mohnöl und Margarine) oder Omega-3-Fettsäuren (Hering, Makrele, Lachs, Sardinen, Thunfisch , Fischöle, Raps-öl, Sojaöl, Leinsaat, Leinöl, Walnüsse und grünblättriges Gemüse wie Portulak, Blatt-spinat)
Zusätzliche Aufnahme von Anti-Oxidantien (Vitamin A, C, E, Beta-Carotin), die die sogenannten „freien Radikalen“ einfangen.
Zu den eher klassischen Diät-Vorschlägen gehört, sich rein vegetarisch bzw. lakto-vegetarisch (erlaubt sind Molkereiprodukte) zu ernähren, d.h. keine tierischen Eiweiße aufzunehmen. Stärkerer Alkohol- und Zigarettenkonsum stehen ebenfalls unter dem Verdacht, die Psoriasis Arthritis negativ zu beeinflussen.
Menschen mit einer ausgeprägten Psoriasis Arthritis dürfen kein Übergewicht bekom-men. Das belastet vor allem die gewichtstragenden, erkrankten Gelenke. Wer Gelenkschmerzen hat, bewegt sich sowieso schon weniger und neigt allein dadurch dazu, das Normal-gewicht zu übersteigen. Bei manchen kommt hinzu, dass sie aus Frust oder zum Trost besonders kalorienreiche Nahrungsmittel aufnehmen (Süßig-keiten, Pommes, Chips o.ä.).
Wem es schwer fällt, seine Ernährung völlig umzustellen, der sollte sich zubilligen, dass gutes Essen und Trinken der Seele gut tut. Wer nicht total ungesund lebt, sollte mit seinem Arzt darüber sprechen. Denn es ist schon schwer genug, mit steifen und schmerzhaften Gelenken leben zu müssen. Da muss man nicht auf Biegen und Brechen auch noch auf kulinarische Genüsse verzichten.
Hinweise:
Weitere Informationen über Psoriasis Arthritis können Sie auf
Rheuma-Online nachlesen.