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Begleiterkrankungen

Es ist bekannt, dass Menschen mit Psoriasis häufiger an bestimmten Krankheiten leiden, als andere. Deshalb ist es wichtig, nicht nur den Dermatologen oder den Rheumatologen auf seine Krankheit aufmerksam zu machen. Wer weiß, dass sein Risiko für bestimmte Krankheiten höher ist, wird zusammen mit dem Arzt genauer auf typische Symptome achten und sich vorsorglich darauf untersuchen lassen. Es geht nicht darum, panisch darauf zu lauern, ob eine dieser Krankheiten auftritt. Aber wer genau über die Zusammenhänge informiert ist, kann frühzeitig reagieren und Krankheiten behandeln. Die Ärzte gehen davon aus, dass man seltener oder abgeschwächter an einer Begleit-Erkrankung leidet, wenn man seine Psoriasis angemessen behandelt. Wer aber lange mit einer schweren Psoriasis durchs Leben geht und sie gar nicht oder nur halbherzig behandelt, riskiert eine der typischen, manchmal sogar lebensgefährlichen Begleit-Erkrankungen.
 
Der Mediziner spricht von „Ko-Morbidität“, d.h. zusätzlich zu einer Grund-Erkrankung treten weitere, typische Krankheiten auf. Das können Folge-Krankheiten sein oder Erkrankungen, die sich gegenseitig beeinflussen. Bei Begleit-Erkrankungen wie Fettleibigkeit gingen die Ärzte bisher davon aus, dass Psoriatiker nicht diszipliniert leben würden. Heute weiß man, dass bei Psoriatikern Übergewicht krankheitsbedingt sein kann. Sind die Fettzellen erst einmal da, „nähren“ sie die im Körper vorhandenen Entzündungen und können damit die Psoriasis weiter verstärken.
 
Außerdem können Medikamente, die man gegen andere Krankheiten einnimmt, eine Psoriasis auslösen oder eine vorhandene verstärken.
 
Viele Menschen mit einer mittleren und einer schweren Psoriasis leiden ganz offensichtlich an ihrer Krankheit. Das kann zu psychischen Erkrankungen wie Depressionen oder Drogensucht führen, die chronisch verlaufen können, wenn man sie nicht behandelt. Andererseits können Wirkstoffe gegen Depression (z.B. Lithium) eine Psoriasis verursachen oder verstärken.
 
Als seltene Begleit-Erkrankungen gelten Neurodermitis (atopisches Ekzem), allergisches Asthma, Heuschnupfen, Nesselsucht (Urtikaria) und das allergische Kontakt-Ekzem.
 
Als häufige Begleit-Erkrankungen der Psoriasis dagegen gelten 
 
1. Psoriasis Arthritis (Gelenkbeteiligung) bei 10-35% der Psoriatiker. Das ist ein eigenes Kapitel für sich. Aber jeder Psoriatiker, der Schmerzen in den Gelenken hat, sollte sich so früh wie möglich auf Psoriasis Arthritis untersuchen lassen. Wer zu lange wartet, riskiert, dass die Gelenke zerstört werden. 
 
2. Chronisch entzündliche Darmerkrankungen
• Morbus Crohn (Entzündung im gesamten Magen-Darm-Trakt von der Mundhöhle bis zum After), 7-mal häufigeres Auftreten bei Psoriatiker 
• Colitis ulcerosa (entzündlichen Befall des Mastdarms und Dickdarms), 
• Zoeliakie / Sprue (chronische Erkrankung der Dünndarmschleimhaut auf Grund einer Überempfindlichkeit gegen Gluten, das in vielen Getreidesorten vorkommende Klebereiweiß) 
 
3. Herz-/Kreislauf- und Gefäß-Erkrankungen, 2-mal häufigeres Auftreten bei Psoriatikern. Zum Beispiel: Arteriosklerose, Arterienverkalkung, Gefäßverschluss, Durchblutungsstörungen, Herzrhythmusstörungen, Herzrasen, Herzflimmern, Herzinfarkt, Schlaganfall. 
 
Vorzeichen solcher Erkrankungen ist das „Metabolische Syndrom“( „tödliches Quartett“). Das bedeutet, dass bei einem Patienten mehrere Risikofaktoren gemeinsam auftreten. Diese Erkrankungen sind teilweise erblich bedingt, teilweise werden sie durch eine falsche Lebensweise (fettreiche Kost, körperliche Inaktivität, Stress, Rauchen, Alkohol) verstärkt. 
  • Fettleibigkeit (Adipositas), g Gemessen am Body-Mass-Index (BMI) und Taillenumfang (bei Männern über 94 cm, bei Frauen über 80 cm). 
  • Zuckerkrankheit (Diabetes Typ 2) bzw. Nüchternblutzuckerwerte von über 100 mg/dl. 
  • Bluthochdruck, über 130 systolisch und über 85 diastolisch (130/85) 
  • Fettstoffwechselstörung bzw. Triacylgyceride über 150 mg/dl. LDL – Cholesterin erhöht HDL – Cholesterin erniedrigt (Männer unter 40 mg/dl, Frauen unter 50 mg/dl). 
  • Erhöhung des Harnsäurespiegels (Hyperurikämie), über 6,0 mg/dl bei Frauen und über 8,0 mg/dl bei Männern. 
4. Pustulöse Erkrankungen wie die pustulöse Psoriasis, Psoriasis auf den Hand- und den Fußflächen (palmoplantare Pustulose) Psoriasis an den Finger- und Fußnägeln (Acrodermatitis continua suppurativa) 
 
5. Weichteil-Rheuma (Fibromyalgie) tritt bei Frauen mit Psoriasis fast doppelt so häufig auf, als bei Männern. Es handelt sich dabei um chronische, generalisierte Schmerzen im Bereich der Muskulatur, des Bindegewebes und der Knochen. 
Quelle: „The prevalence of fibromyalgia among patients with psoriasis.“, Thune Per in Acta Dermato-Venereologica, Volume 85, Number 1, January 2005 , pp. 33-37(5)
 
6. Entzündungen an den Augen (Uveitis) oder am Zahnfleisch (Parodentitis).
 
7. Chronische Nierenschwäche.
 
Manche Krankheiten oder Organschäden können als Nebenwirkungen von Medikamenten auftreten: 
  • Cyclosporin A = erhöhter Blutdruck möglich 
  • Vitamin A = Säure–Fettstoffwechsel-Störungen möglich 
  • Retinoide, Ciclosporin, Leflunomid = Lipidstoffwechsel-Störungen möglich 
  • Ciclosporin, Vitamin-D-Analoga = Elektrolytstoffwechsel-Störungen möglich 
  • Methotrexat = Leberschäden möglich 
  • Methotrexat, Fumarsäure = Magentrakt-Störungen und Reduzierung weißer Blutkörperchen (Leukozyten) möglich, 
  • Ciclosporin = Nierenschädigungen möglich 
  • Biologics = Infektionen können zu spät erkannt werden und heftiger ausfallen, langfristige Folgen noch unbekannt. 
  • Kortikosteroide = Kohlenhydratstoffwechsel-Störungen möglich
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