Unsere Hände und Finger können wir selten so verbergen, dass sie nicht auffallen. Doch wessen Fingernägel von Psoriasis betroffen sind, der möchte nicht gerne angestarrt werden. Handschuhe kann man zwar tragen, aber wie ist es damit im Sommer oder in Innenräumen?
Bei Außenstehenden macht es erst einmal einen schlechten Eindruck, wenn die Nägel nicht glatt, gepflegt und sauber aussehen. Oft verformt sich der Nagel oder löst sich vom Nagelbett ab. Jeder sieht, dass der Nagel krank ist - auch in der Badeanstalt oder der Sauna. Da denkt so mancher, er könne sich anstecken und vermeidet es, dem Psoriatiker die Hand zu geben. Andere werden sich vielleicht sogar davor ekeln. Lassen Sie es nicht so weit kommen, dass man hinter Ihrem Rücken darüber tuschelt! Klären Sie Ihre Mitmenschen ganz sachlich auf: „Das ist Schuppenflechte unter den Nägeln. Ich finde auch nicht, dass es besonders schön aussieht! Aber glücklicherweise ist es nicht ansteckend!“
Nicht hinter jedem dicken, verhornten und bröseligen Nagel verbirgt sich eine Psoriasis!
Nagelveränderungen können auf innere Krankheiten hinweisen: Vitamin- und Eisenmangel, Nieren- Leber-, Herz, Lungen-, Magen/Darm- oder Gefäßerkrankungen, Infekte, Blutarmut, Durchblutungsstörungen. Solche Veränderungen können auch verursacht werden durch Ekzeme, Allergien (z.B. gegen Nagellack oder Medikamente) und vor allem durch Pilze. Nagel-Pilz kann ein deutlicher Hinweis auf eine innere Krankheit sein (siehe oben). Sie sollten Ihre Nägel genau vom Arzt untersuchen lassen. Wenn es nicht völlig sicher ist, ob es sich bei Ihren Nagelerscheinungen um Schuppenflechte handelt, lassen Sie einen Pilztest und eventuell eine Biopsie (Gewebeprobe) machen. Selbst für Experten ist es manchmal schwer, eine Nagel-Psoriasis zu erkennen. Vor allem wenn ansonsten keine Psoriasis-Stellen da sind. Manche Patienten haben gleichzeitig Nagelpilz und Psoriasis. Erst wenn abgeklärt ist, dass es sich nicht um einen Pilz handelt, sollten Sie die Nagelveränderungen auf Schuppenflechte behandeln lassen. Es kommt selten vor, dass jemand nur eine Nagel-Psoriasis hat. Psoriatische Finger- und Fußnägel können ein Hinweis auf eine Psoriasis Arthritis sein. Wer also mit einer Nagel-Psoriasis auch Gelenkschmerzen hat, sollte beim Rheumatologen untersuchen lassen, ob es sich um Rheuma oder Psoriasis handelt.
Wie sieht die Nagel-Psoriasis aus?
Der Nagel ist nicht mehr schön eben, sondern wird wellig. Er sinkt punktförmig ein, wie Tüpfel. Die Tüpfel bleiben sichtbar und wachsen mit dem Nagel aus. Aber Tüpfel können auch durch andere Ekzeme, Infektionen oder Pilzbefall entstehen. Grundsätzlich gibt es mehr Schuppenflechte an den Finger- als an den Fußnägeln. Begleiterscheinungen sind gelegentlich Schmerzen oder Druckempfindlichkeit.
Ein anderes Zeichen für eine Schuppenflechte ist der so genannte „Ölfleck“. Der sieht so aus, als hätte man sich mit dem Hammer auf den Fingernagel gehauen. Statt blau-schwarz ist der „Ölfleck“ gelbbraun oder rot. Gerade der „Ölfleck“ aber wird oft falsch diagnostiziert: Verschiedene Nagel-Pilzinfektionen sehen nämlich ähnlich aus und können zugleich mit der Nagel-Psoriasis auftreten. Unter dem Nagel bildet sich eine krümelige, weiß-gelbe Masse. Die Nagelplatte hebt sich vom Nagelbett ab und wächst krumm. Das ist ein Zeichen dafür, dass zu viele, nicht ausgewachsene Zellen an die Oberfläche der Haut unter den Nagel schießen. Diese Zellen drücken von unten gegen den Nagel, so dass der sich abhebt.
Vorbeugung und Pflege
• Halten Sie Ihre Nägel möglichst kurz, schneiden und feilen Sie nur vorsichtig. Wenn Sie sich selbst pflegen, benutzen Sie auf keinen Fall rotierende Geräte. Quer-Rillen oder verdickte Nägel lassen Sie sich besser von erfahrenen „Medizinischen Fußpflegern“ abfräsen.
• Wenn Sie keine Wirkstoffe auftragen, sollten Sie Ihre Hände und Füße täglich eine Stunde lang in Salzwasser einweichen (Staßfurter Badesalz, Totes Meer-Salz o.ä.) und danach eincremen. Fetten Sie vor allem die Nagelwurzeln gut ein.
• Vermeiden Sie unnötige Feuchtigkeit, d.h. tragen Sie z.B. beim Abwaschen Handschuhe.
• Mit künstlichen Fingernägeln können Sie Ihre Nagel-Psoriasis überdecken.
• Uneins sind die Experten beim Nagellack. Die einen sagen, Nagellack mache die Nägel dünn, instabil und krank. Das schwächt den Nagel und hemmt sein Wachstum. Deshalb raten sie davon ab. Andere raten, die nicht so hübsch aussehenden Nägel mit Nagellack zu übermalen. In beiden Fällen braucht man irgendwann Nagellackentferner, der als ätzende Substanz auf die Nagel-Psoriasis wirken könnte. Vielleicht probieren Sie es einfach selbst aus, was Ihnen gut tut!
• Ziehen Sie leichte, weite Schuhe an, die nicht auf die betroffenen, Fußnägel drücken.
Behandlungsmöglichkeiten
Es ist mühsam, eine Nagel-Psoriasis zu behandeln, dauert lange und erfordert viel Geduld. Die meisten Therapien wirken bei der Nagel-Psoriasis nur kurzfristig, manchmal gar nicht. Innerhalb eines Jahres treten die Nagelveränderungen dann erneut wieder auf. In hartnäckigen Fällen sollten Sie versuchen zu lernen, mit den psoriatischen Nägeln zu leben.
Vor einer Behandlung sollten Sie die betroffenen Nägel aufweichen, damit die Wirkstoffe besser einziehen können. Zum Beispiel in einem Salzbad. Umstritten ist, ob der erkrankte Nagel vor einer Behandlung abgetragen werden muss. Es gibt Ärzte, die meinen, dass die Nagelplatte an den Psoriasis-Stellen möglichst entfernt werden sollte. Nur so könne ein Wirkstoff direkt eindringen. Andere halten das für eine „Verstümmelungsbehandlung“ und raten davon ab. Sie warnen, dass dadurch die Psoriasis provoziert und verstärkt werden würde (Köbner-Effekt).
Teer + Kortison
Geben Sie 2x täglich eine erbsengroße Menge Berniter® Kopfhaut-Gel auf 200 ml warmes Wasser und baden Sie Ihre Finger und/oder Zehen 10 bis 15 Minuten darin. Anschließend können Sie eine starke Kortison-Tinktur auftragen.
Kortison
Sie müssen täglich einen Tropfen einer Kortison-Tinktur auf die Nagelwurzel und / oder das Nagelbett auftragen. Die Tinktur sollte eine wässrige Lösung sein, da Alkohol austrocknet. In schweren Fällen wird Kortison in das Nagelbett eingespritzt. Dazu werden Sie lokal betäubt. Das ist eine eher unangenehme Behandlung. Eine Therapie mit Kortison kann bis zu acht oder neun Monaten dauern.
Generell gilt, dass die Nagel-Psoriasis wieder auftritt, wenn das Kortison abgesetzt wird. Um das zu verlangsamen, müssen Sie sich „ausschleichen“. Menge und Häufigkeit des Kortisonpräparats werden langsam verringert und durch einen anderen Wirkstoff ersetzt.
Vitamin-D3-Präparate
Mittel wie Daivonex®, Psorcutan® oder Curatoderm® können Sie entweder als Lösung oder als Creme auf den Nagel und die angrenzende Nagelhaut aufgetragen. Dann schneiden Sie aus einem Polyethylen-Handschuh einen Fingerling, den sie über den Nagel streifen und festkleben. In diesem luftdichten „Verband“ kann der Wirkstoff über Nacht gut einziehen.
Bestrahlung
PUVA
Der Wirkstoff Meladinine (Psoralen®) macht die Nägel empfindlicher für UV-Licht. Er wird entweder auf die Nägel gepinselt oder die Hände und Füße werden darin gebadet. Dann werden die Nägel mit einem UVA - Punktstrahler bestrahlt. PUVA-Therapie bieten meist nur in Kliniken an, weil die Geräte für zu Hause zu teuer sind und die ambulanten Praxen dafür zu wenig Geld von den Krankenkassen bekommen.
SUP (Selektive Ultraviolette Phototherapie)
Die Nägel werden bestrahlt mit einem UVB- + UVA-Lichtgemisch aus einem Punktstrahler (Derma-Point®, Blue-Point®). Diese Geräte gibt es meist nur in Kliniken. Wenn Sie das täglich machen, dauert es trotzdem vier bis sechs Wochen, bis Sie Erfolge sehen.
UVB
Bestrahlungskämme werden von den Krankenkassen für den Kopf verschrieben, können aber auch für die Nägel benutzt werden. Außerdem bieten einige Hersteller sehr kleine UV-Bestrahlungsgeräte an, die gut für Nägel geeignet sind. Benutzen Sie dabei immer die Schutzbrille und decken Sie die gesunden Stellen ab, z.B. durch an den Fingerkuppen abgeschnittene Handschuhe.
Oft tritt die Nagel-Psoriasis wieder auf, wenn nicht mehr bestrahlt wird. Es gibt keine Untersuchungen darüber, welche Folgen es hat, wenn jemand 20-30 Jahre seine Psoriasis mit UV-Strahlen behandeln lässt. Gerade beim Nagel wird das UV-Licht hoch konzentriert und tritt auf vorgeschädigte Haut.
Siehe auch unsere Informationen zu den Heim-Bestrahlungsgeräten und den Bestrahlungsrisiken.
Interferenzstrom- Therapie
Durch Überlagerung von zwei Wechselstromkreisen wird in einem Behandlungsgerät ein so genannter Interferenzstrom (IFS) erzeugt. Das an der Hautklinik Mannheim geprüfte Verfahren ist bei Nagelbefall erfolgversprechend eingesetzt worden. Dazu lässt man den IFS zweimal täglich sechs Minuten mit Elektroden im Wasserbad einwirken.
Siehe auch unsere Informationen zur Interferenzstrom-Therapie.
Medikamente
Ein innerlich einzunehmendes Präparat wird selten verschrieben, wenn jemand nur eine Nagel-Psoriasis hat bzw. nur dann, wenn viele Nägel stark betroffen sind.
Fumarate
Fumaderm® kann eine Nagel-Psoriasis bessern. Hitzewallungen und Magen-Darm-Störungen treten bei einigen Patienten nur anfangs auf, andere leiden beständig darunter. Die Zahl der weißen Blutkörperchen muss regelmäßig kontrolliert werden.
Weitere Informationen im Psoriasis-Netz.
Methotrexat
MTX wird bei der Psoriasis in schweren Fällen oft verschrieben, weil es billig und effektiv ist. Leber- und Nierenwerte sowie das Knochenmark müssen regelmäßig kontrolliert werden. Vor allem Diabetiker und Patienten, die ein Kind bekommen oder zeugen wollen, dürfen das Medikament nicht nehmen.
Weitere Informationen im Psoriasis-Netz.
Retinoide
Neotigason® gehört zu den starken Medikamenten. Es wird nur in sehr schweren Fällen oder wenn viele Finger betroffen verschrieben. Nebenwirkungen können an Leber oder Nieren auftreten, die aber als „zurückhaltend“ eingestuft werden. Bei manchen Patienten bewirken Retinoide das Gegenteil, d.h. die Nagelveränderungen werden noch verstärkt. Sie dürfen dieses Mittel nicht während der Schwangerschaft einnehmen und müssen noch zwei Jahre danach darauf verzichten. Retinoide sind nicht als Dauertherapie geeignet.
Weitere Informationen im Psoriasis-Netz.
Ciclosporin
Sandimmun® ist ein Mittel, das das Immunsystem unterdrückt („Immunsuppressivum“). Es gehört ebenfalls zu den sehr starken Mitteln. Die Nierenwerte müssen regelmäßig kontrolliert werden. Sollten Sie andere Medikamente nehmen, lassen Sie das Ihren Arzt wissen, weil es mit Ciclosporin Wechselwirkungen gibt.
Weitere Informationen im Psoriasis-Netz.
Biologika
"Biologics“ sind im Vergleich zu anderen dermatologisch wirkenden Medikamenten extrem teuer. Deshalb werden sie nur in äußerst schweren Fällen verschrieben bzw. wenn beim Patient keine andere Therapie mehr hilft. „Schwer“ bedeutet nicht, dass jemand nur am Körper stark betroffen sein muss. „Schwer“ soll auch berücksichtigen, wie stark die Psoriasis in das Leben und die Psyche des Patienten eingreift. Diese teuren Medikamente können z.B. dann angebracht sein, wenn die Nagel-Psoriasis dazu führt, dass jemand fast gar nicht mehr laufen und greifen kann und dadurch droht, erwerbsunfähig zu werden.
Weitere Informationen im Psoriasis-Netz (Startseite, linkes Menü "Medikamente" unter dem Wirkstoffnamen des Biologikums).
Unser Rat
Sie sollten grundsätzlich eine Therapie oder ein Medikament absetzen, wenn es spätesten nach sechs Wochen keine Wirkung zeigt. "Grundsätzlich" bedeutet, es gibt Ausnahmen. Einige wirken schnell, andere langsamer. Klären Sie das mit dem Therapeuten ab.
Nahrungsergänzung
Alles, was die Nägel stärkt, ist auch gut bei der Nagel-Psoriasis und für den nachwachsenden Nagel. Die Wirkung ist aber sehr langfristig, d.h. es braucht zwei bis drei Jahre, bis solche Mittel anschlagen. Dazu gehören Selen, Kieselerde, Zinkprodukte, Bio-H-Tin®-Präparate.







