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Amt & Recht

Widerspruch gegen Ablehnung

Grad der Behinderung nicht oder zu niedrig anerkannt?

Für jeden behinderten Menschen ist es wichtig, dass sein Behinderungsgrad und weitere gesundheitliche Merkmale möglichst gerecht festgestellt werden. Zum einen, um eventuell einen „Nachteilsausgleich“ beanspruchen zu können. Zum anderen gilt man bei einem Grad der Behinderung (GdB) von 50 als „schwerbehindert“ bzw. bei einem GdB von 30 kann man beim Arbeitsamt Schwerbehinderten „gleichgestellt“ werden.

Deshalb kann es sinnvoll sein, dass Sie einem Feststellungsbescheid des Versorgungsamts widersprechen. Sie können auch jemand anders bevollmächtigen, z. B. einen Rechtsanwalt oder Vertreter einer Gewerkschaft, eines Sozial- oder eines Behindertenverbandes. Der Widerspruch kann schriftlich erfolgen. Sie können Ihren Widerspruch aber auch persönlich beim Versorgungsamt vortragen. Er wird dann „zur Niederschrift“ gegeben. Wichtig: Sie haben nur einen Monat Zeit, sich zu entscheiden, ob Sie widersprechen wollen. Ihr Widerspruch muss dann vom Versorgungsamt mit einem Widerspruchsbescheid entschieden werden.

Akzeptieren Sie dann auch die Widerspruchs-Entscheidung nicht, müssen Sie innerhalb eines Monats klagen. Sie dürfen auch dann klagen, wenn die Behörde zu langsam arbeitet: Untätigkeitsklage wird eingereicht, wenn „ohne zureichenden Grund“ nach drei Monaten noch immer nicht über den Widerspruch entschieden worden ist. Klage ist beim zuständigen Sozialgericht schriftlich zu erheben. Sie können auch persönlich zum Sozialgericht gehen und Ihre Klage dort einem Urkundsbeamten („zur Niederschrift“) vortragen. Ein Rechtsanwalt ist nicht nötig! 
 
Die Monatsfrist muss unbedingt eingehalten werden. Dabei kommt es nur darauf an, w a n n der Widerspruch beim Versorgungsamt bzw. wann die Klage beim Sozialgericht eingeht. Widerspruch und Klage sind auch dann noch fristgerecht, wenn sie innerhalb der Monatsfrist bei einer anderen inländischen Behörde eingehen (z. B. Stadtverwaltung) oder bei einem Versicherungsträger (z.B. Krankenkasse). Weder der Widerspruch noch die Klage müssen sofort begründet werden. Sie dürfen die Begründung nachreichen, sofern Sie die Frist eingehalten haben. 
 
Bevor Sie sich für einen Widerspruch oder sogar eine Klage entscheiden, sollten Sie mit Ihrem behandelnden Arzt und einem erfahrenen Sozialrechtsexperten sprechen. Lassen Sie sich beraten, ob Ihr Verfahren erfolgreich scheint. Sind die Erfolgsaussichten schlecht, bleibt immer noch die Möglichkeit, ein Jahr später zu beantragen, den Grad der Behinderung zu erhöhen. Damit haben wir gute Erfahrungen gemacht. 
 
Wenn Sie sich entscheiden zu widersprechen oder zu klagen, müssen Sie ihr Anliegen zwar fristgemäß vortragen, aber Sie müssen es noch nicht begründen. Zur Wahrung der Frist genügt ein allgemeiner Text: 
 
Ihrem Bescheid vom ......... mit dem Geschäftszeichen .... widerspreche ich. Sobald ich alle Unterlagen zusammen habe, werde ich Ihnen meinen Widerspruch ausführlich begründen. 
 
Bitte senden Sie mir Kopien zu aller ärztlichen Zeugnisse und Gutachten einschließlich der abschließenden Stellungnahme des versorgungsärztlichen Dienstes, die Grundlage für Ihren Bescheid waren. 
 
Sie selbst oder Ihr bevollmächtigter Vertreter dürfen jederzeit beim Versorgungsamt Ihre Akten einsehen, um den Widerspruch oder die Klage zu begründen. Das Versorgungsamt übersendet Ihnen Kopien der Unterlagen, wenn Sie darum bitten. Die Kosten dafür müssen aber Sie übernehmen. 
 
Für die Begründung könnten Sie unter den folgenden Formulierungen (Textbausteinen) wählen: 
 
Meinen Widerspruch begründe ich wie folgt: 
 
In Ihrem Bescheid (vom ....) haben Sie nicht alle meine Gesundheitsstörungen berücksichtigt, obgleich ich sie in meinem Antrag (vom ....) aufgeführt hatte. Es fehlen: (Aufzählung). Bitte befragen Sie dazu den behandelnden Arzt, Dr. .... / das Krankenhaus .... 
 
Leider haben Sie sich keinerlei Auskünfte über meine Gesundheitsstörungen bei Dr. .... / dem Krankenhaus .... eingeholt, obgleich ich Sie in meinem Antrag (vom ....) darum gebeten habe. Ich muss deshalb davon ausgehen, dass Sie bei Ihrer Entscheidung (vom ....) von unvollständigen Informationen ausgegangen sind. 
 
In Ihrem Bescheid (vom ....) haben Sie folgende Behinderung nicht berücksichtigt (Krankheitsbezeichnung), obgleich Sie Ihnen in der Auskunft über meinen Gesundheitszustand (vom ....) von Dr.... / dem Krankenhaus .... genannt wurde. 
 
Auch mein behandelnder Arzt ist der Meinung, dass der Grad der Behinderung mit ... erheblich zu niedrig bemessen worden ist. Sie haben bei Ihrer Entscheidung Art und Schwere meiner Behinderung nicht ausreichend berücksichtigt. 
 
Mit meinem behandelnden Arzt stimme ich darin überein, dass in meinem Fall die Voraussetzungen des Merkzeichens (z.B. G, aG, RF, B, H, BI) vorliegen. 
 
Meine Behinderung belastet mich in besonderem Umfang. (kurze Darstellung der besonderen persönlichen Betroffenheit und der Wechselwirkung verschiedener Erkrankungen) 
 
Meine Behinderung ist am .... eingetreten. Bitte bescheinigen Sie mir rückwirkend von diesem Datum an den Grad der Behinderung / das Merkzeichen (z.B. G, aG, H, GI...). 
 
Schlussformulierungen 
 
Bitte heben Sie Ihren Bescheid (vom ....) auf und entscheiden Sie auf Grund der zusätzlichen Informationen erneut über die Höhe des Grades der Behinderung / die Feststellung eines Merkzeichens. 
 
Selbstverständlich stehe ich zu einer fachärztlichen Untersuchung und Begutachtung in Ihrer versorgungsärztlichen Untersuchungsstelle oder durch einen anderen Gutachter zur Verfügung. 
 
Gegen ein Urteil des Sozialgerichts dürfen Sie immer innerhalb eines Monats Berufung beim Landes-Sozialgericht einlegen. Das geht aber nicht mehr ohne Anwalt. 
 
 
Es gibt Hilfe
Für Auseinandersetzungen mit Sozialversicherungsträgern und Versorgungsämtern gibt es viele Beratungsmöglichkeiten (siehe Menüpunkt "Wichtige Adressen"). 
 
Grundsätzlich werden in den folgenden Institutionen werden nur Mitglieder in allen sozialen Fragen beraten und gegenüber Verwaltungen und Gerichten juristisch vertreten. "Grundsätzlich" heißt, es gibt Ausnahmen. Wir wissen von einzelnen Ortsverbänden, dass sie völlig selbstverständlich eine kostenlose "Erstberatung" anbieten. Es ist also einen Versuch Wert, vorher anzufragen, ob auch Nicht-Mitglieder beraten werden. Die Verbände haben meist erfahrene Berater.
 
Sozialverband VdK Deutschland e.V. 
Wurzerstraße 4 a 
53175 Bonn 
Tel. 02 28 8 20 930 
Fax 0228 8 20 93 43 
Internet www.vdk.de
 
Sozialverband Deutschland SoVD e.V. 
Stralauer Str. 63 
10179 Berlin 
Tel: 030-72 62 22 0 
Fax: 030-72 62 22 311 
Internet www.sovd-bv.de
 
Volkssolidarität e.V. 
Alte Schönhauser Straße 16 
10119 Berlin 
Tel. 030 27 89 70 
Fax 030 27 59 39 59 
 
Außerdem finden Sie Sozialrechtsexperten bei Ihrer Gewerkschaft oder den für Sie zuständigen Behindertenverband:
 
Bundesarbeitsgemeinschaft Hilfe für Behinderte e.V. 
Kirchfeldstr. 149 
40215 Düsseldorf 
Tel. 0211 31 00 60 
Fax: 0211 31 00 648 
Internet: www.bagh.de
 
Quelle: 
„Behinderung und Ausweis“ 
Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales, Integrationsamt 
Im Internet finden Sie die Broschüre unter www.berlin.de/sengessozv/lageso/pdf/ausw.pdf

Chronisch krank

Wann wird man als Psoriatiker als chronisch krank anerkannt?

Wer in der gesetzlichen Krankenkasse versichert ist, muss sämtliche, gesetzlich festgelegten Zuzahlungen erst ein­mal selbst bezahlen: Praxisgebühren, Zuzahlungen für „erstattungsfähige“ Medikamente, Heilmittel, Hilfsmittel, Krankengymnastik, häusliche Krankenpflege, Haushaltshilfe, stationäre Unterbringung u.ä. 

Die Gesetzgeber halten es für zumutbar, dass eine Familie, die in einem Haushalt lebt, pro Jahr 2 Prozent ihres Einkommens für Zuzahlungen aufwendet. Da nicht das Netto-, sondern das Bruttoeinkommen zählt, muss man als Normalverdiener schon ziemlich hohe Ausgaben haben, um diese „Belastungsgrenze“ überhaupt zu überschreiten. Anders bei Auszubildenden oder Arbeitnehmern mit geringem Einkommen, bei Empfänger von Arbeits–losengeld II, Sozialgeld oder Grundsicherung. Diese Patientengruppen erreichen sehr schnell die 2 %-Grenze.

Überschreiten alle Zuzahlungen die Einkommensgrenze, so gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder man lässt sich bei seiner Krankenkasse für den Rest des Jahres von weiteren Zuzahlungen befreien. Oder man sammelt alle Belege und holt sich das Geld am Anfang des kommenden Jahres von der Krankenkasse wieder zurück.

Die meisten lassen sich befreien und erhalten dazu von ihrer Krankenkasse eine Karte. Damit weisen sie bei der Apotheke, dem Krankenhaus oder der Physiotherapeutin nach, dass sie von der Zuzahlung befreit sind.

„Chronisch Kranke“ müssen pro Jahr nur 1 Prozent ihres Bruttoeinkommens als Zuzahlung leisten. Diese verminderte Belastungsgrenze muss bei der Krankenkasse beantragt werden. Dort erhält man ein Formular, das der behandelnde Arzt ausfüllt. Die Krankenkassen haben ihre jeweils ihre eigenen Vordrucke.

Aber diese Regelung gilt nicht für jeden, der im medizinischen Sinn „chronisch krank“ ist. Da würde den Krankenkassen zu viel Geld verloren gehen. Deshalb hat der Gemeinsame Bundesausschuss von Ärzten und Krankenkassen(entgegen dem eindeutigen Gesetzestext!) festgelegt: Die 1-prozentige Belastungsgrenze gilt nur für „schwerwiegend“ chronisch Kranke. Dazu gehören Patienten, die wegen derselben Krankheit dauerhaft in Behandlung sind undmindestens einmal im Quartal den Arzt aufsuchen müssen undeines der folgenden Kriterien erfüllen:

a) 60 Prozent behindert oder erwerbsgemindert (§ 30 BVG, § 56 Abs. 2 SGB VII) oder

b) in Pflegestufe zwei oder drei eingestuft (2. Kapitel SGB XI) oder

c) auf eine kontinuierliche medizinische Versorgung angewiesen, um zu verhindern,
   •  dass sich die Krankheit lebensbedrohlich verschlimmert oder
   •  dass sich die Lebenserwartung vermindert oder
   •  dass die Lebensqualität dauerhaft beeinträchtig ist.

 

Psoriatiker, die weder schwer behindert noch pflegebedürftig sind, müssen ihrem Arzt deutlich zu machen, wie stark ihre Lebensqualität dauerhaft beeinträchtigt wäre, wenn sie nicht ärztlich versorgt werden würden:

  • Wer deutlich sichtbare Plaques hat, traut sich nicht, am öffentlichen Leben teilzunehmen, weil er nicht angestarrt oder abgelehnt werden will
    (persönliche Beispiele aufzählen aus Beruf, Familien, Sport, Kultur, Vereinsleben, Einkaufen und Bezahlen).
  • Wer deutlich sichtbare Plaques hat, ist gehemmt, neue Partner oder Freunde kennen zu lernen und seine sozialen Kontakte zu pflegen.
  • Wessen Schuppen in Beruf und in der Öffentlichkeit auffällig herabfallen, der fühlt sich unsicher und meidet Kontakte.
  • Wer unter Juckreiz leidet, schläft nachts schlecht, ist am nächsten Tag unausgeschlafen und weniger leistungs­fähig bzw. macht Fehler und ist unausgeglichen. 
  • Wer unter Juckreiz leidet kratzt sich die Stellen blutig, versucht diese offenen Wunden zu verbergen und muss mit Infektionen rechnen.
  • Wer unter Psoriasis Arthritis leidet, kann sich viel schlechter oder kaum noch bewegen, kann viele not­wendigen Handgriffe im Haushalt, aber auch bei der Freizeitbeschäftigung nicht oder nur eingeschränkt unter Schmerzen ausführen.

Wer seinem Arzt genau berichten will, wie seine persönliche Lebensqualität eingeschränkt ist, sollte sich gut vorbereiten, d.h. vorher alle Punkte aufschreiben. Man neigt dazu zu verdrängen, wie erheblich die Psoriasis ins eigene Leben eingreifen kann.

Lehnt die Krankenkasse den Antrag ab, muss dagegen Widerspruch eingelegt werden. Dazu hat man einen Monat ab Zustellung Zeit. Hat die Krankenkasse nicht darauf hingewiesen, wie der Ablehnung widersprochen kann (Rechtsmittelbelehrung), muss man erst innerhalb eines Jahres widersprechen. Der Widerspruch geht an den Widerspruchsausschuss der Kasse. Wird der Antrag erneut abgelehnt, kann man dagegen innerhalb eines Monats ab Bekanntgabe der Ablehnung beim Sozialgericht klagen. Widerspruchsverfahren und die Klage beim Sozialgericht kosten nichts, es sei denn, man schaltet einen Anwalt ein.

Es geht auch ohne Anwalt. Dabei helfen:

  1. Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD),
    Beratungstelefon: 0800 011 77 22 (gebührenfrei aus allen Netzen), montags bis freitags von 8.00 bis 22.00 Uhr und samstags von 8.00 bis 18.00 Uhr.
    www.patientenberatung.de/de#Online-Beratung

    Patientenberatung beim Sozialverband Deutschland e.V. (SoVD)
    Tel. 030 / 72 62 22 40 4 und Tel. 030 / 29 04 71 05
    mailto:Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, (auch in Magdeburg und Hannover)

    V.i.S.d.P. Rolf Blaga


 

 

Gesundheitszeugnis

Nach § 43 des Infektionsschutzgesetzes benötigt jede Person eine Bescheinigung des Gesundheitsamtes, die beruflich in weitestem Sinne mit Lebensmitteln in Berührung kommt. Welche Jobs ein Gesundheitszeugnis erfordern, können Sie im Infektionsschutzgesetz nachlesen. Diese Bescheinigung heißt "Gesundheitszeugnis". 

Damit sollen übertragbare Krankheiten verhütet und bekämpft werden. Nun ist die Psoriasis keine übertragbare Krankheit. Das wissen aber nicht alle, vor allem nicht die Arbeitgeber. Der Amtsarzt weiß es zwar, muss Sie aber nicht genau untersuchen, um festzustellen, welche Hautkrankheit Sie haben. Deshalb würden wir empfehlen, dass Sie sich eine Bescheinigung vom Hautarzt geben lassen, dass Sie an Psoriasis leiden, es sich aber um eine „nicht übertragbare Krankheit“ handelt. Diese Bescheinigung nehmen Sie mit, wenn Sie das Gesundheitszeugnis beim Gesundheitsamt des Bezirks (bzw. der Gemeinde) beantragen. 

Früher wurden Sie relativ aufwendig medizinisch untersucht, inklusive Blutprobe usw. Das ist jetzt anders: Sie werden lediglich von den Mitarbeitern des Gesundheitsamtes oder von einem durch das Gesundheitsamt beauftragten Arzt belehrt. Bei dieser Belehrung müsse Sie schriftlich erklären, dass Ihnen selbst keine Tatsachen für ein Tätigkeitsverbot bekannt sind (zum Beispiel, dass Sie keine infektiöse Krankheit haben). Außerdem wird Ihnen dann erklärt, wie Sie solche Krankheiten bei sich selber erkennen können. Sollten Sie solche Krankheiten bei sich feststellen, dürfen Sie bei der Arbeit nicht mit Lebensmitteln in Berührung kommen. Es werden also keine Tests (Blut, Urin, Stuhl, Drogen usw.) durchgeführt! 

Wenn Sie die Belehrung "überstanden" haben, erhalten Sie das endgültige Gesundheitszeugnis sofort ausgehändigt. Die Bescheinigung nach § 43 des Infektionsschutzgesetzes ist ein Leben lang gültig. Wichtig ist, dass das Gesundheitszeugnis vorliegen muss, bevor Sie zum ersten Mal beim Arbeiten mit Lebensmitteln in Berührung kommen. 



§ 42 Tätigkeits- und Beschäftigungsverbote 
(1) Personen, die 

1. an Typhus abdominalis, Paratyphus, Cholera, Shigellenruhr, Salmonellose, einer anderen infektiösen Gastroenteritis oder Virushepatitis A oder E erkrankt oder dessen verdächtig sind, 
2. an infizierten Wunden oder an Hautkrankheiten erkrankt sind, bei denen die Möglichkeit besteht, dass deren Krankheitserreger über Lebensmittel übertragen werden können, 
3. die Krankheitserreger Shigellen, Salmonellen, enterohämorrhagische Escherichia coli oder Choleravibrionen ausscheiden, 

dürfen nicht tätig sein oder beschäftigt werden 

a) beim Herstellen, Behandeln oder Inverkehrbringen der in Absatz 2 genannten Lebensmittel, wenn sie dabei mit diesen in Berührung kommen, oder 
b) in Küchen von Gaststätten und sonstigen Einrichtungen mit oder zur Gemeinschaftsverpflegung. 

Satz 1 gilt entsprechend für Personen, die mit Bedarfsgegenständen, die für die dort genannten Tätigkeiten verwendet werden, so in Berührung kommen, dass eine Übertragung von Krankheitserregern auf die Lebensmittel im Sinne des Absatzes 2 zu befürchten ist. Die Sätze 1 und 2 gelten nicht für den privaten hauswirtschaftlichen Bereich. 

(2) Lebensmittel im Sinne des Absatzes 1 sind 
1. Fleisch, Geflügelfleisch und Erzeugnisse daraus 
2. Milch und Erzeugnisse auf Milchbasis 
3. Fische, Krebse oder Weichtiere und Erzeugnisse daraus 
4. Eiprodukte 
5. Säuglings- und Kleinkindernahrung 
6. Speiseeis und Speiseeishalberzeugnisse 
7. Backwaren mit nicht durchgebackener oder durcherhitzter Füllung oder Auflage 
8. Feinkost-, Rohkost- und Kartoffelsalate, Marinaden, Mayonnaisen, andere emulgierte Soßen, Nahrungshefen. 

(4) Das Gesundheitsamt kann Ausnahmen von den Verboten nach dieser Vorschrift zulassen, wenn Maßnahmen durchgeführt werden, mit denen eine Übertragung der aufgeführten Erkrankungen und Krankheitserreger verhütet werden kann. 

Beamter werden

Kann man mit Psoriasis Beamtin oder Beamter werden?

Wer ins Beamtenverhältnis übernommen werden soll, muss sich vom Amtsarzt untersuchen lassen. Der öffentliche Arbeitgeber will sich absichern, dass ein Beamter nicht nach kurzer Zeit voll oder eingeschränkt arbeitsunfähig wird. Schließlich sind Mitarbeiter im Öffentlichen Dienst unkündbar, wenn sie erst einmal verbeamtet worden sind. Deshalb verlangen Amtsärzte von Psoriatikern ein ärztliches Gutachten, dass sich ihre Krankheit zukünftig nicht verschlimmern wird. Ist das zulässig? 
Grundsätzlich gilt das Urteil das Bundesarbeitsgericht (BAG) vom 03. April 2007. Darin wird der Gleichbehandlungsgrundsatz für behinderte Arbeitnehmer gestärkt. Diese mussten schon vor der Einführung des Antidiskriminierungsgesetzes im August 2006 mit anderen Beschäftigten gleich behandelt werden, entschieden die Richter. Nach dem Urteil hebt eine EU-Richtlinie eine Bestimmung aus dem Sozialgesetzbuch auf. 
Die EU-Richtlinie legt fest, dass jeder, der eine auf Dauer angelegte physische, geistige oder psychische Beeinträchtigung im Beruf aufweist, mit anderen Arbeitnehmern gleichgestellt werden muss. Laut Sozialgesetzbuch galt das Prinzip, dass nur schwer behinderte Beschäftigte mit einem Grad der Behinderung von mindestens 50 Anspruch auf Gleichbehandlung und Schutz vor Diskriminierung im Beruf haben. Im vorliegenden Fall hatte die an Neurodermitis leidende Klägerin dem Land Berlin Diskriminierung vorgeworfen und eine Entschädigung verlangt. Die Frau mit einem Behinderungsgrad von 40 hatte sich im Oktober 2003 bei der Berliner Polizei als Angestellte für die Parkraumbewachung beworben. Die schriftliche und mündliche Prüfung hatte sie erfolgreich absolviert. Das Land lehnte jedoch eine Einstellung wegen ihrer Hauterkrankung ab. 
Die Richter beim Bundesarbeitsgericht betonten jedoch, es gelte das EU-Recht. (Aktenzeichen: 9 AZR 823/06, Quelle: Evangelischer Pressedienst vom 13.07.2007). 
„Grundsätzlich“ bedeutet in diesem Fall, dass dieses Urteil auch auf die Verbeamtung zu übertragen sein müsste. Das ist aber noch nicht höchstrichterlich entschieden! 
Die Psoriasis ist zwar eine chronische Krankheit, wie leider sehr viele Erkrankungen heutzutage. Sie kann aber weder in ihrer Hautvariante noch als Gelenkerkrankung alleiniger Grund sein, einen Anwärter nicht ins Beamtenverhältnis zu übernehmen. Diese Überprüfung darf sich allein am momentanen Schweregrad seiner Erkrankung orientieren. Das wäre zum Beispiel durch den Grad der Schwerbehinderung beschrieben. Es ist medizinisch nicht möglich, den Verlauf einer Psoriasis bei einem Menschen für die Zukunft zu prognostizieren. 
Der öffentliche Arbeitgeber nimmt sich das Recht heraus, diejenigen gesundheitlich zu überprüfen, die Beamte auf Lebenszeit werden wollen. Schließlich darf er nicht riskieren, dass jemand nach nur kurzer Berufstätigkeit ausscheidet und dann lebenslang eine Pension bezieht. Die Untersuchung soll aber auch verhindern, dass zukünftige Beamte durch voraussehbar lange Krankheitszeiten ausfallen. Denn im Gegensatz zu Angestellten muss der Dienstherr bei Beamten mehr als sechs Wochen Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall leisten. 
Es ist vorgekommen, dass ein Amtsarzt von einem Psoriatiker eine medizinisch begründete Prognose verlangt hat. Nur so könne er beurteilen, ob eine langfristige Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit zu erwarten sei. Kein Dermatologe und kein Rheumatologe (für Psoriasis Arthritis) kann aber vorhersagen, wie sich eine Psoriasis oder eine Psoriasis Arthritis entwickeln wird. Es gibt bei Patienten keinerlei Anzeichen, um im Voraus zu beurteilen, wie die Krankheit verlaufen wird. 
Alles ist möglich: Die Psoriasis kann sich im Laufe der Jahre verschlimmern, verbessern oder gleich bleiben. Es gibt Psoriatiker, die nach einigen Jahren kaum noch Probleme mit der Krankheit haben - ohne etwas dafür getan zu haben! Es gibt Psoriatiker, bei denen schlägt eine Therapie oder ein Medikament so gut an, dass sie über Jahre (fast) erscheinungsfrei sind. Inzwischen gibt es auch für schwere Fälle Medikamente, die sehr gut helfen. Aber es gibt natürlich auch Fälle, in denen die Psoriasis im Laufe der Zeit immer schwerer verläuft, so dass jemand letztendlich berufsunfähig wird. Das sind die Fälle, bei denen die Patienten irgendwann therapieresistent geworden sind. Das passiert aber nur einer deutlichen Minderheit. 
Eine Psoriasis Arthritis kommt bei 10 bis 30 % der Psoriatiker vor. Niemand kennt die genaue Zahl! Gerade diese Gelenk-Psoriasis kann aber über Jahre stillstehen und sich nicht bemerkbar machen. Das wird jeder Rheumatologe bestätigen und kann in jedem guten Buch zu dieser Krankheit (auch von Laien) nachgelesen werden! 
Ob ein Psoriatiker irgendwann einmal in diese Gruppe der Schwerstbetroffenen gehören wir, kann zum Glück niemand vorhersehen. Zum Glück, weil Untersuchungen gezeigt haben, dass Psoriatiker psychisch unter ihrer Krankheit erheblich leiden können. Fast ein Drittel der Psoriasis-Patienten hatte ein oder mehrmals Suizid-Pläne. 
Wir raten dringend, sich immer dann juristisch beraten zu lassen, wenn jemand auf Grund einer amtsärztlichen Begutachtung nicht verbeamtet werden soll. 

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