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Chronisch krank

Wann wird man als Psoriatiker als chronisch krank anerkannt?

Wer in der gesetzlichen Krankenkasse versichert ist, muss sämtliche, gesetzlich festgelegten Zuzahlungen erst einmal selbst bezahlen: Praxisgebühren, Zuzahlungen für „erstattungsfähige“ Medikamente, Heilmittel, Hilfsmittel, Krankengymnastik, häusliche Krankenpflege, Haushaltshilfe, stationäre Unterbringung u.ä. Die Gesetzgeber halten es für zumutbar, dass eine Familie, die in einem Haushalt lebt, pro Jahr 2 % ihres Einkommens für Zuzahlungen aufwendet. Da nicht das Netto-, sondern das Bruttoeinkommen zählt, muss man als Normalverdiener schon ziemlich hohe Ausgaben haben, um diese „Belastungsgrenze“ überhaupt zu überschreiten. Der Aufwand lohnt sich dann, wenn man überschlägt, wie viel an Zuzahlungen man pro Jahr hat und ob das die Zumutbarkeitsgrenze übersteigt.
 
Berufstätige verdienen im bundesdeutschen Durchschnitt 40.000 Euro brutto pro Jahr (Stand: 2010). Ihnen wird zugemutet, dass sie  pro Jahr bis zu 800 Euro an Zuzahlungen selbst tragen. Bei chronisch Kranken wären es nur 400 Euro.  Anders bei Auszubildenden oder Arbeitnehmern mit geringem Einkommen, bei Empfänger von Arbeitslosengeld II, Sozialgeld oder Grundsicherung. Diese Patientengruppen erreichen sehr schnell die 2 %-Grenze. 
 
Überschreiten alle Zuzahlungen die Einkommensgrenze, so gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder man lässt sich bei seiner Krankenkasse für den Rest des Jahres von weiteren Zuzahlungen befreien. Oder man sammelt alle Belege und holt sich das Geld am Anfang des kommenden Jahres von der Krankenkasse wieder zurück. Die meisten lassen sich befreien und erhalten dazu von ihrer Krankenkasse eine Karte. Damit weisen sie bei der Apotheke, dem Krankenhaus oder der Physiotherapeutin nach, dass sie von der Zuzahlung befreit sind. 
 
Die Anerkennung als chronisch Kranker muss bei der Krankenkasse beantragt werden. Dort erhält man ein Formular, das vom behandelnden Arzt ausgefüllt wird. Das Formular kann man auch aus dem Internet herunterladen.
 
Aber diese Regelung gilt nicht für jeden, der im medizinischen Sinn „chronisch krank“ ist. Da würde den Krankenkassen zu viel Geld verloren gehen. Deshalb hat der Gemeinsame Bundesausschuss von Ärzten und Krankenkassen (entgegen dem eindeutigen Gesetzestext!) festgelegt: Die 1%-Belastungsgrenze gilt nur für „schwerwiegend“ chronisch Kranke. Dazu gehören Patienten, die wegen derselben Krankheit dauerhaft in Behandlung sind und mindestens einmal im Quartal den Arzt aufsuchen müssen und eines der folgenden Kriterien erfüllen: 
 
a) 60 % behindert oder erwerbsgemindert (§ 30 BVG, § 56 Abs. 2 SGB VII) oder 
b) in Pflegestufe zwei oder drei eingestuft (2. Kapitel SGB XI) oder 
c) auf eine kontinuierliche medizinische Versorgung angewiesen, um zu verhindern, dass 
• sich die Krankheit lebensbedrohlich verschlimmert oder 
• sich die Lebenserwartung vermindert oder 
• die Lebensqualität dauerhaft beeinträchtig ist. 
 
Psoriatiker, die weder schwer behindert noch pflegebedürftig sind, müssen ihrem Arzt deutlich zu machen, wie stark ihre Lebensqualität dauerhaft beeinträchtigt wäre, wenn sie nicht ärztlich versorgt werden würden. Vor allem sollten sie möglichst "drastische Beispiele" aufführen: 
 
• Wer deutlich sichtbare Plaques hat, traut sich nicht, am öffentlichen Leben teilzunehmen, weil er nicht angestarrt oder abgelehnt werden will (persönliche Beispiele aufzählen aus Beruf, Familien, Sport, Kultur, Vereinsleben, Einkaufen und Bezahlen). 
• Wer deutlich sichtbare Plaques hat, ist gehemmt, neue Partner oder Freunde kennen zu lernen seine sozialen Kontakte zu pflegen. 
• Wessen Schuppen in Beruf und in der Öffentlichkeit auffällig herabfallen, der fühlt sich unsicher und meidet Kontakte und ist vor allem in seiner Berufswahl stark eingeschränkt, d.h. kann sich nicht auf Berufe mit Kundenkontakt bewerben.
• Wer unter Juckreiz leidet, schläft nachts schlecht, ist am nächsten Tag unausgeschlafen und weniger leistungsfähig bzw. macht Fehler und ist unausgeglichen. 
• Wer unter Juckreiz leidet kratzt sich die Stellen blutig, versucht diese offenen Wunden zu verbergen und muss mit Infektionen rechnen. 
• Wer unter Psoriasis Arthritis leidet, kann sich viel schlechter oder kaum noch bewegen, kann viele notwendigen Handgriffe im Haushalt, aber auch bei der Freizeitbeschäftigung nicht oder nur eingeschränkt unter Schmerzen ausführen.
• Wer sichtbare Hautstellen hat, traut sich nicht, kurzärmlige Hemden, Hosen, Röcke oder ähnliches zu tragen oder ins Schwimmbad zu gehen
 
Wer seinem Arzt genau berichten will, wie seine persönliche Lebensqualität eingeschränkt ist, sollte sich gut vorbereiten, d.h. vorher alle Punkte aufschreiben. Man neigt dazu zu verdrängen, wie erheblich die Psoriasis ins eigene Leben eingreifen kann. 
 
Lehnt die Krankenkasse den Antrag ab, muss dagegen Widerspruch eingelegt werden. Dazu hat man einen Monat ab Zustellung Zeit. Hat die Krankenkasse nicht darauf hingewiesen, wie der Ablehnung widersprochen kann (Rechtsmittelbelehrung), muss man erst innerhalb eines Jahres widersprechen. Der Widerspruch geht an den Widerspruchsausschuss der Kasse. Wird der Antrag erneut abgelehnt, kann man dagegen innerhalb eines Monats ab Bekanntgabe der Ablehnung beim Sozialgericht klagen. 
 
Widerspruchsverfahren und die Klage beim Sozialgericht kosten nichts, es sei denn, man schaltet einen Anwalt ein. Es geht auch ohne Anwalt. Dabei helfen: 
 
Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD), deutschlandweites Beratungstelefon: 01803 11 77 22 (9 Cent pro Minute aus dem Festnetz) Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! 
 
UPD, Beratungsstelle Berlin, Telefon: 80 10 78 25, 
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Patientenberatung beim Sozialverband Deutschland e.V. (SoVD) 
Tel. 030 / 72 62 22 40 4 und Tel. 030 / 29 04 71 05 
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, (auch in Magdeburg und Hannover) 
 
Kassenärztliche Bundesvereinigung Postfach 12 02 64, 10592 Berlin, 
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