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Kortison

Keine Angst vor Kortison

Kortisonhaltige Salben und Cremes (med. „Corticoide“) waren die Sensation der 50er Jahre des 20. Jahrhunderts. Kein anderer Wirkstoff half so schnell und durchgreifend bei entzündlichen Hautkrankheiten. Das böse Erwachen kam, wenn man das Mittel absetzte. Die Psoriasisstellen blühten schlimmer als vorher. Wer Corticoide über längere Zeit auf der Haut auftrug, musste mit starken Hautschäden rechnen: Die Haut wurde dünn und brüchig wie Pergament. Es gab „Pseudo-Narben“ und Pigmentierungen, Akne und starke Entzündungen im Gesichtsbereich. Die Haare wuchsen stärker an den behandelten Stellen oder die kleinen Blutgefäße unter der Haut weiteten sich aus, wie bei einer „Säufernase“. Deshalb war es verständlich, dass viele Psoriatiker es ablehnten, dieses „Teufelszeug“ zu benutzen. 
 
Die meisten dieser Nebenwirkungen verschwinden nach einiger Zeit, wenn man das Mittel abgesetzt hat. Nicht jedoch die ausgeweiteten Blutgefäße. Die kann man nur mit einem Laser entfernen. Keine Nebenwirkungen sind bisher beobachtet worden, wenn man Kortison auf die Kopfhaut aufträgt. 
 
Kortison sollte stets nur als „Erste-Hilfe-Mittel“ benutzt werden. Wenn die Psoriasis akut und sehr stark ausgeprägt ist, wenn sie sich hartnäckig an vielen Stellen festgesetzt hat und man wirklich verzweifelt ist, kann man mit kortisonhaltigen Salben oder Cremes die Entzündungen schnell abklingen lassen. Die Erfolge sind schon nach einigen Tagen sichtbar. Gut für alle, die sehr unter ihrer Hautkrankheit leiden. Allerdings sollte man Kortison grundsätzlich nicht länger als vier Wochen anwenden. Danach muss man dann auf einen anderen Wirkstoff umsteigen. Auf keinen Fall darf eine Kortisontherapie abrupt beendet werden. Kortison muss immer langsam abgesetzt werden. Die Experten sagen, dass man sich „ausschleichen“ muss. Wer einmal täglich Kortisoncreme aufgetragen hat, macht es danach nur alle zwei Tage, dann alle drei Tage usw. In den Tagen dazwischen wird entweder gar nichts oder ein anderer Wirkstoff eingeschmiert. Wer sich daran nicht hält, muss damit rechnen, dass die Schuppenflechte wieder sehr schnell und heftig aufflammt. 
 
Auf Grund der offensichtlichen Nebenwirkungen haben die Wissenschaftler die Kortisonpräparate immer mehr verfeinert. Seitdem sind die Corticoide deutlich besser geworden. Zum einen gibt es vier verschiede Wirkstärke-Klassen - von sehr stark wirksam bis schwach wirksam. Der Arzt kann die Kortisontherapie heutzutage viel genauer dosieren, als früher. Je nach dem, wie stark die Psoriasis ist und an welchen Stellen sie behandelt werden muss, kann er ein eher mildes oder ein eher starkes Corticoid verschreiben. Beginnen Sie eher mit dem stärkeren Präparat und lassen Sie sich möglichst zwei Präparate verschreiben, um testen zu können, welches bei Ihnen am besten wirkt. Beachten Sie, dass mit zunehmendem Alter die Haut immer dünner wird und deshalb ein weniger starkes Kortison notwendig ist. Im Alter sind auch die Blutgefäße brüchiger und empfindlicher. 
 
Wirkstoffe ziehen in die Haut unterschiedlich gut ein. Je höher der unten stehende „Penetrations“ - Wert ist, desto weniger Wirkstoff muss aufgetragen werden bzw. desto milder kann das Mittel sein. Deshalb darf man im Gesicht, in den Ohren, an den Geschlechtsteilen usw. nur mit sehr milden Kortisonpräparaten therapieren.
 
Kopfhaut
3,5
Stirn 6,0
Kieferwinkel 13
Rücken 1,7
Achselhöhle 3,6
Unterarm dorsal (außen)  1,1 
Unterarm ventral (innen) 
Handfläche 0,8
Skotum (Geschlechtsteilgegend)  43,0
Knöchel 0,4 
Fußsohle 0,1 
Penetrationsverhältnisse und Atrophieverhältnisse für Dermokortikoide, nach Feldmann/Maibach
 
Zum anderen gibt es jetzt die vierte Generation der Corticoide. Auch nach einigen Jahren wurden bei „Retef“, „Pandel“, „Alfason“, „Advantan“ und „Dermatop“ noch keine der typischen Nebenwirkungen festgestellt. Nur im Gesicht muss man weiterhin äußerst vorsichtig sein. Das berichtete Prof. Roland Niedner (Potsdam) auf einer Veranstaltung unserer Gruppe. Er gilt als kritischer Kenner der Corticoide. 
 
Sehr erfolgreich sind „Kombinationstherapien“, bei denen mehrere Wirkstoffe zugleich aufgetragen werden. Als Fertigpräparate sind das „Psorcutanbeta“ und „Daivobet“. Die enthalten sowohl Kortison als auch Vitamin 3 - Wirkstoff in einer Salbe. Prof. Niedner rät, eines dieser Kombi-Präparate zwei Wochen täglich einmal zu benutzen und dann (abrupt!) auf den Wirkstoff Calcipotriol bzw. Calcitriol („Daivonex“, „Psorcutan“, „Curatoderm“ oder „Silkis“) umzusteigen. Wenn sich nach ca. 3 Wochen noch einige Stellen als zu hartnäckig erweisen, kann man sie noch einmal eine Woche mit dem Kombinationspräparat behandeln. 
 
Bei gleicher Konzentration wirkt Kortison am besten in Salbe, nicht ganz so gut in Creme und am geringsten in alkoholischer Lösung. Eine Tinktur für die Kopfhaut muss stets höher konzentriertes oder ein stärkeres Kortison enthalten, als wenn man die gleichen Stellen mit Salbe einschmieren würde. Man kann die Wirkung von Kortison um das Fünf- bis Zehnfache steigern, wenn man die behandelten Stellen z.B. über Nacht mit Folie abdeckt (Haushaltsfolie, Plastiktüten, Folien-Handschuhe). Das empfiehlt sich z.B. bei der Behandlung der Hände und Füße, weil dort das Kortison ansonsten schlecht eindringt. Besprechen Sie auf jeden Fall mit Ihrem Arzt, ob sie diese Methode anwenden sollten, weil er seine Verschreibung darauf abstimmen muss. Wenn der erste Erfolg zu sehen ist, sollte man sich wieder langsam "ausschleichen". Nach der Behandlung mit Kortison vorsichtshalber die Hände waschen, damit der Wirkstoff nicht versehentlich ins Gesicht gelangt. 
 
Hartnäckig hält sich seit Jahren das Gerücht, man müsse lediglich morgens zwischen sechs und acht Uhr kalt duschen. Dann würde ausreichend körpereigenes Kortison gebildet werden. Es stimmt, dass man frühmorgens mehr Kortison ausschüttet. Leider verteilt sich dieses natürliche Kortison auf die gesamte Körperfläche und nicht nur auf die betroffenen Psoriasis-Stellen. Dadurch ist die Dosis dermaßen gering, dass es leider nicht ausreicht, als „Kaltduscher „ seine Schuppenflechte in den Griff zu bekommen. Richtig ist, dass zu heißes Duschen den körpereigenen Fetthaushalt negativ beeinflusst. Psoriatiker sollten lauwarm duschen, wenn sie ihrer Haut etwas Gutes antun wollen.
 
Kortisonpräparate, sortiert nach Handelsname
 
Klasse I = schwach wirksam
Alferm Salbe, Arutrin-Spray, Cortidexason crinale, Dermallerg-ratiopharm, Dermo Posterisan, Dexa Loscon mono, Dexagalen crinale, Dexamethason, LAW, Dontisolon D Mundheilpaste, Ebenol 0,25 % Salbe, Ebenol 1 %, Fenestil, Hydrocortison, hydrocort von ct, Hydrocortison POS N 1%, Hydrocortison POS N 2,5%, Hydrocortison Wolff 0,5 %, Hydrocortison Wolff 1%, Hydrocutan, Hydrocutan mild, Hydroderm HC 0,5%, Hydrogalen, Inflanefran AS, Kabanimat, Linola H Fett N, Linola-H N, Lygal Kopftinktur N, Munitren H fettend/fettarm, Posterine Corte, Prednisolon AS, Prednisolon LA, RatioAllerg Hydrocortison, Remederm HC Widmer, Sanatison Mono 1%, Sanatison Mono 1/3%, Solutio Cordes Dexa N, Soventol HC. Systral Hydrocort, Vaspit, velopural OPT, Volonimat Spray 
 
Klasse II = mittelstark wirksam 
Advantan, Alfason, Betnesol V crinalite, Betnesol V mite, Cerson, Cortidexason N, Decoderem S, lbe, Decoderm Creme, Delonal, Delphicort Dermatop, Duodexa N, Emovate, Extracort-N, Jellisoft, Kaban, Kortikoid ratiopharm, Laticort 0,1 %, Pandel, plus -caproat, Retef, Sterax 0,1%, Topisolon mite, Triam Lichtenstein, Triamcinolon Wolff, Triamgalen, Volon A (antibiotikafrei), Volon A Spray N, Volonimat N. 
 
Klasse III = stark wirksam
Amciderm, Bemon, Beta Lichtenstein, Betalgen, Betamethason Wolff, Betnesol V 0,1 %, Betnesol V crinale; Celestan V, Celestan V crinale, Cordes Beta, Cordes Beta, Diprosis, Diprosone, Ecural, Florone, Florone crinale, Fluocortolon plus, Flutivate, Halog, Jellin, Nerisona, Pentacort, Sicorten, Soderm, Topisolon, Topsym,, Ultralan, Ultralen 
 
Klasse IV = sehr stark wirksam
Clobegalen, Dermoxinale, Dermoxin, Karison und Karison crinale
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