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Therapien

Wie gefährlich ist UV-Bestrahlung?


Von den 80,2 Millionen Einwohnern in Deutschland sind vermutlich 1,7 Mio. an Psoriasis (Schuppenflechte) erkrankt (2,1 %). Fast jeder von ihnen hat seine Krankheit schon mehr oder weniger erfolgreich mit UV-Strahlen behandelt. Die einen legen sich regelmäßig in die Sonne, z.B. am Toten Meer. Andere bevorzugen Bestrahlungslampen mit künstlichem UV-Licht. Unklar ist, ob eine therapeurische Bestrahlung das Hautkrebs-Risiko erhöht. Experten verweisen darauf, dass UV-Patienten nicht häufiger mit Hautkrebs auffallen würden als die Normalbevölkerung. Trotzdem wird geraten, sich nicht mehr als 50 intensiven UV-Bestrahlungen pro Jahr auszusetzen – egal ob durch künstliches oder natürliches UV-Licht. Wirkungsvolle Medikamente führen inzwischen dazu, dass die Zahl derjenigen zurückgeht, die ihre Psoriasis zeitaufwendig mit UV-Licht behandeln.

UV-Licht als Therapie

Unter UV-Bestrahlung kann eine Haut-Psoriasis gut abheilen. Die zu schnelle Zellteilung wird gehemmt, das Immunsystem wird beruhigt und die Entzündung und der Juckreiz gehen zurück. In den Hautpraxen und -kliniken werden die unterschiedlichsten UV-Therapien angeboten: UVA, UVB, PUVA, Balneo-Fototherapie, SUP, UVA1. Am verbreitesten ist UVB mit dem Schmalspektrum 311 Nanometer. Wirksamer als eine „trockene“ Bestrahlung gilt die Balneo-Fototherapie. Bei der wird vor oder während der Bestrahlung in Salzwasser gebadet. Die besten Ergebnisse dabei erzielt die PUVA-Therapie: Bevor mit UVA bestrahlt wird, erhalten die Patienten ein lichtempfindlich machendes Mittel (Psoralen).

Risiken

Ultraviolettes Licht, unabhängig ob UVA oder UVB, kann die Haut schädigen. Wie stark, hängt davon ab, wie oft, wie intensiv und wie lange man sich dem aussetzt. Es ist von der Natur nicht vorgesehen, dass wir Menschen durch Medizin, gesunde Ernährung und körperliche Entlastungen immer älter werden. Unsere Haut passt sich „evolutionär“ nicht daran an. Auch nicht daran, dass wir zusätzlich durch Freizeitverhalten oder Bestrahlung mit künstlichem Licht vermehrt UV-Strahlen aufnehmen. Im Gegenteil: Die Haut vergisst nichts und kann insgesamt nur eine bestimmte UV-Belastung verkraften.

Langfristig altert die Haut schneller durch UV-Licht, wird also trockener und faltiger und bildet Altersflecken. Darüberhinaus kann zu viel UV-Licht zu chronischen Lichtschäden (aktinische Keratosen) führen. Das sind rauhe, schuppige oder krustige Stellen, vorzugsweise im Gesicht, aber auch an Handrücken, Unterarmen, Dekolleté und Schultern. Lichtschäden haben inzwischen 50 % der Menschen über 60 Jahre, aber auch immer mehr junge Leute. Insbesondere junge Frauen sind gefährdet, wenn sie dem „Bräunungs-Wahn“ verfallen sind. In Deutschland darf man erst ab 18 Jahren ins Solarium. Lichtschäden an der Haut können selbst Schwimmer und Schnorchler bekommen, weil UVB bis zu 50 cm ins Wasser eindringt.

Jede auffällige Hautveränderung sollte vom Hautarzt begutachtet werden, denn sie kann eine Vorstufe des weißen Hautkrebs (Balasiom) sein. Das ist die häufigste Krebsart weltweit. Der bildet aber glücklicherweise, im Gegensatz zum schwarzen Hautkrebs (malignes Melanom), keine Metastasen (Tochtergeschwülste) und ist zu 95 % heilbar. Es gilt: Hautkrebs kann dann besonders gut behandelt werden, wenn er frühzeitig genug entdeckt wird.

Alle bis jetzt gemachten Aussagen gelten für hautgesunde Menschen. Eigentlich müssten Patienten, die ihre Hautkrankheit mit UV-Licht behandeln, ein höheres Krebsrisiko haben. Bestrahlungsexperten weisen aber immer wieder darauf hin, dass es keine „epidemilogischen“ Auffälligkeiten gäbe. Gerade Hautärzte würden wohl kaum ihre Patienten bestrahlen, wenn die dann nach 20 Jahren mit (schwarzem) Hautkrebs in die Praxis kämen. Das sind die Erfahrungswerte der Praktiker. Aber es gibt keine wissenschaftlichen Langzeit-Untersuchungen, ob und wie sich regelmäßige UV-Therapien beim Menschen auswirken – obgleich die möglichen Gefahren bekannt sind. Manche Ärzte meinen, dass gerade die Psoriasis-geschädigte Haut gegenüber Hautkrebs eine Schutzfunktion entwickeln würde, wenn sie bestrahlt wird. Das ist jedoch nicht erwiesen.

Besonderheit PUVA

Der Name „PUVA“ ist die Abkürzung für Psoralen + UVA. . Es handelt sich dabei um eine sehr wirksame Bestrahlungs-Therapie, deren Abheilraten mit modernen Psoriasis-Medikamenten konkurrieren kann. Wenn ein Patient aber sehr viele PUVA-Therapien erhalten hat (gesamte lebenslange Dosis von 1000 J/cm²), darf er hinterher nicht mit dem Psoriasis-Wirkstoff Ciclosporin behandelt werden. Dann nämlich hat er ein erhöhtes Risiko (insbesondere weißen) Hautkrebs zu bekommen. 

Kinder bestrahlen?

Umstritten ist es, ob Kinder mit UV-Licht bestrahlt werden sollten. Von PUVA wird immer abgeraten. Aber viele Dermatologen lehnen generell eine UV-Bestrahlung für Kinder unter 10 - 12 Jahren ab. Gerade die UV-Belastung im Kindesalter wird verdächtigt, die Ursache für Hautkrebs im Alter zu sein. Andere, sehr erfahrene Bestrahlungsexperten dagegen halten sie für eine gute Möglichkeit. Es gäbe keine seriösen („evidenzbasierten“) Studien, die ein solches Verbot begründen würden. Es komme eher darauf an, ob ein Kind den Bestrahlungsablauf psychisch verkraften könne. Diese Ansicht lässt offen, ob die geforderten UV-Bestrahlungs-Studien mit Kindern überhaupt gestattet werden würden.

Bestrahlungen kontrollieren

Selten fragt ein Arzt danach wie viel künstliche und natürliche UV-Strahlung der Patient schon aufgenommen hat. Das ist kein Problem, wenn man sich immer in der gleichen Praxis bestrahlen lässt. Wer aber den Arzt wechselt, sollte schon wissen, wie oft und wie lange er sich in den letzten Jahren dem UV-Licht ausgesetzt hat. Die Idee eines Bestrahlungspasses hat sich bei Patienten und Hautärzten nicht durchgesetzt. Prof. Hans Meffert, einst Bestrahlungsexperte der Berliner Charitè, kritisierte, dass Patienten wie Ärzte mit der UV-Therapie oft zu sorglos umgingen. Als Richtwert empfiehlt er, sich nicht mehr als 50-mal im Jahr einer intensiven UV-Belastung auszusetzen – unabhängig davon ob es sich um ein Sonnenbad oder ein Bestrahlungsgerät handelt. Man müsse sich nicht so lange bestrahlen lassen, bis auch die letzten kleinen Psoriasis-Stellen verschwunden sind. Er rät dringend davon ab, vorbeugend oder "erhaltend" zu bestrahlen.  

Blau-Licht

Völlig ohne UV-Strahlen und damit nebenwirkungsfrei kommt die Bestrahlung mit Blaulicht aus. Das Gerät von Philips (BlueControl) kann bisher nur bei einzelnen Psoriasis-Stellen eingesetzt werden. Es ist eher für die hartnäckigen, nach einer Therapie noch übriggebliebenen Plaques gedacht. Da ist aber durchaus erfolgreich, wie kleine Studien gezeigt haben. Ein größeres Blaulicht-Gerät für die Ganzkörperbestrahlung (DermoDyne Lichtimpfung) ist bisher nur bei der Neurodermits wirkungsvoll gewesen. Vor allem Kinder profitieren von dieser Bestrahlung ohne Nebenwirkungen. Obgleich einige Bestrahlungsexperten von diesem Prinzip überzeugt sind, gibt es bisher keine fundierten Ergebnisse bei Psoriasis-Patienten.

Patienten sollten vor Beginn der UV-Therapie mit dem Arzt absprechen, wie viel Bestrahlungen insgesamt vorgesehen sind. Ist nach der Hälfte noch kein deutlicher Erfolg zu sehen, sollte man über einen Therapie-Wechsel nachdenken.

Jeder Hautpatient, der seine Krankheit regelmäßig mit UV-Licht behandelt, sollte sich ebenso regelmäßig nach Hautkrebs untersuchen lassen. Verdächtige Stellen sollten gleich dem Arzt gezeigt werden. 

 

Heim-Bestrahlungsgeräte

Zahlt die Kasse UV-Heimbestrahlungsgeräte?

Es ist immer noch möglich, sich ein UV-Heimbestrahlungsgerät von der Krankenkasse bezahlen zu lassen. Ohne Probleme werden meist die Bestrahlungskämme bezahlt. Wenn Sie ein größeres Gerät benötigen, rechnen Sie nicht schon beim ersten Antrag mit einer Kostenübernahme. Etwas hartnäckig werden Sie wohl sein müssen.

Wir raten, sich vor Antragstellung bei der Krankenkasse mit einem Anbieter von Bestrahlungsgeräten in Verbindung zu setzen. Die Genehmigungspraxen der Kassen ändern sich. Die Anbieter kennen am besten die Bedingungen, unter denen die Ausgaben für ein Heimbestrahlungsgerät ganz oder teilweise übernommen werden. Anbieter finden Sie im Psoriasis-Netz unter UV-Bestrahlungsgeräte-Adressen.

Folgende Unterlagen müssen Sie zusammenstellen:
1. Verordnung Ihres Hautarztes mit ausführlicher Diagnose Ihrer Psoriasis und der Feststellung, dass bei Ihnen eine UV-Heimbehandlung angezeigt, wirksam und nicht mit einem besonderen Risiko verbunden ist sowie keine anderen Therapieformen denselben Erfolg versprechen und die ärztliche Empfehlung eines geeigneten Gerätes. Legen Sie hierzu die Preisliste oder besser das konkrete Angebot eines Herstellers bei. Eine Behandlung mit einem modernen Biologikum kostet die Kasse im Jahr ca. 22.000 Euro. So gesehen geht die Kasse kein großes Risiko ein, wenn sie erst einmal ein Bestrahlungsgerät (mit-)finanziert.

2. Begründung, d.h. Sie müssen einen wichtigen Grund dafür angeben, warum bei Ihnen eine Bestrahlung in der Arztpraxis ausscheidet. Eine Heimbehandlung ist vor allem notwendig, bei weiten Anfahrtswegen und schlechten Verkehrsverbindungen oder einer Behinderung, die es erschwert oder unmöglich macht, selbständig in die Arztpraxis zu gelangen oder Unabkömmlichkeit, weil Sie z.B. zu Hause Kinder oder pflegebedürftige Angehörige versorgen müssen oder berufliche Gründe, weil Sie z.B. bis zum Ladenschluss arbeiten müssen, Schichtdienst haben, viel geschäftlich reisen müssen o.ä.

3. Verpflichtungserklärung, d.h. Sie unterschreiben, dass Sie sich zu regelmäßiger Überwachung der Therapie beim Hautarzt verpflichten. Wie häufig die (in Ihrem eigenen Interesse notwendigen) Kontrollbesuche beim Arzt erfolgen sollen, muss mit ihm abgesprochen werden. Stellen Sie den Antrag auf Kostenübernahme, bevor Sie sich ein Gerät anschaffen. Sind Sie erst einmal für die Kosten aufgekommen, erhalten Sie rückwirkend nichts erstattet. Bei der Geschäftsstelle Ihrer Krankenkasse wird der Antrag geprüft. Bei der angespannten Finanzsituation der Kassen wird der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) eingeschaltet werden. Der soll prüfen, ob das UV-Heimgerät in Ihrem Fall notwendig oder sinnvoll ist. Lehnt die Krankenkasse die Kostenübernahme ab, sollten Sie auf jeden Fall Widerspruch einlegen. Lassen Sie sich dabei von Ihrem Dermatologen helfen.

 

Kangal-Fische

Heilen "Doktorfische" die Schuppenflechte?

Dass es Fische gibt, die bei Psoriasis als „tierische Doktoren“ eingesetzt werden, ist in Deutschland erst durch die Sensations-Berichterstattung in den einschlägigen Medien bekannt geworden. Die einen pilgerten daraufhin an die warmen Quellen von Kangal in der Türkei. Die anderen kauften hier für teures Geld Fische, die sie in der Regentonne oder der Badewanne hielten. Über Jahre beherrschten eher unseriöse Fischzüchter den Markt für diese „Knabberfische“. Heilpraktiker und „Behandlungszentren“ außerhalb von Kangal entwickelten diese Therapie weiter. Inzwischen liegt eine seriöse Pilotstudie vor, die zu dem Ergebnis kommt, dass die „Ichtyo-Therpie“ eine „brauchbare Behandlungsmöglichkeit für Patienten mit Psoriasis“ ist. "Ichthyo" ist griechisch und bedeutet „Fisch“. Wer sie ausprobieren will, muss sie privat bezahlen. Wir raten, sich entweder in Kangal selbst behandeln zu lassen oder sich hier einen seriösen Anbieter dafür zu suchen. Aber eine „Heilung“ gibt es auch bei dieser Therapie nicht. Ihr großer Vorteil: Sie hat keine Nebenwirkungen. Wenn sie anschlägt, kann man durchschnittlich ein Dreiviertel Jahr erscheinungsfrei bleiben. 
 
Die „Knabber-Fische“ kommen aus der Türkei und werden dort „Doktor-Fische" genannt. Man findet sie in der Provinz Sivas in Anatolien, in einem Bad in der Nähe des Ortes Kangal. Deshalb werden diese Fische auch als „Kangal-Fische“ bezeichnet. Von den dort vorkommenden Arten gelten vor allem die Garra Rufa (Rötliche Saugbarben) als die eigentlichen „Knabberfische“. Sie werden zwischen 10 und 14 cm lang und leben in warmem Wasser bei durchschnittlich 35 Grad Celsius. Wegen der hohen Temperatur gibt es kaum tierische oder pflanzliche Nahrung. Die Fische leiden an Hunger und Unterernährung. Die Hautschuppen der Menschen, die in diesen Gewässern baden sind ein leicht zugängliches, eiweißhaltiges Futter für sie. 
 
Das Wasser dort enthält hohe Konzentrationen an Kalzium, Magnesium, Hydrokarbonat, Sulfat und vor allem das hautdurchlässige Selen. Das Wasser ist hypotonisch (Druck niedriger als der Blutdruck), oligometallisch (=viele Metalle) und hat einen hohen ph-Wert (=alkalisch). Außerdem soll es anti-septisch sein, d.h. Krankheitskeime werden nicht übertragen. 
 
Die Patienten müssen 2-mal täglich 3-4 Stunden im Pool baden, insgesamt pro Tag also sechs bis acht Stunden. Außerdem müssen pro Tag 2-3 Liter vom Quellwasser getrunken werden; schon vor dem Frühstück auf nüchternen Magen 3-5 Gläser. Es herrscht absolutes Alkoholverbot. Die Therapie sollte unbedingt drei Wochen durchgehalten werden. 
 
Die Pools sind nach Geschlechtern getrennt. Wer in das Becken steigt, muss sich daran gewöhnen, dass sofort ein Schwarm von Fischen an den Hautstellen „pickt, knabbert und schabt“. Die Haut verträgt das stundenlange Baden gut, weil das Wasser entsprechend zusammengesetzt ist. Viele werden das Krabbelgefühl der Fische auch nachts im Bett nicht mehr los. 
 
Die Therapie in Kangal kann eine Schuppenflechte nicht „heilen“! Aber es ist möglich, für einige Monate „erscheinungsfrei“ zu sein. Wie bei allen anderen Pso-Therapien schlägt auch diese bei jedem unterschiedlich gut an. Es gibt Patienten, bei denen sie gut hilft. Bei anderen wiederum ist sie völlig erfolglos oder verschlimmert sogar die Psoriasis. Das muss man leider selbst ausprobieren. Das Wasser in Kangal enthält Stoffe, die den Hautzustand verbessern können, vor allem entzündungshemmende Schwefelsalze und Selen. 
 
Man weiß, dass es auch an anderen Orten der Welt für Psoriatiker „heilendes Wasser“ gibt, z.B. das Tote Meer mit seinen entzündungshemmenden Mineralien oder die „Blaue Lagune“ auf Island. Warmes Wasser beruhigt darüber hinaus die Haut. Die Höhenlage des Bades (1.500 m) und die völlige Stressfreiheit des Ortes wirken positiv auf die Psyche. Bisher sind keine Nebenwirkungen dieser Therapie bekannt geworden. Experten weisen aber darauf hin, dass die Wissenschaft nichts darüber weiß, ob Fische Krankheiten übertragen können.
 
Die Unterkunft am Ort hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert, aber auch erheblich verteuert. Es gibt billige Unterkünfte, von denen uns aber abgeraten wurden. Von Deutschland aus bietet ein Reiseveranstalter einen dreiwöchigen Aufenthalt für 2.200 Euro im Einzelzimmer an, in dem alles enthalten ist. Freizeitmöglichkeiten gibt es absolut keine. Der nächst größere Ort ist ca. 100 km entfernt. 
 
Im Juni 2006 wurde eine Pilotstudie veröffentlicht. Über drei Jahre wurde in einem seriösen Behandlungszentrum beobachtet, ob und wie diese Therapie außerhalb von Kangal gewirkt hat. 67 Patienten mit Psoriasis wurden von den Fischen schuppenfrei geknabbert und hinterher mit UVA-Licht bestrahlt. Bei 43,7 % der Patienten gingen die Hauterscheinungen um mindestens 75 % zurück, bei weiteren 44,8 % um mindestens 50 %. Es gab keine ernsthaften Nebenwirkungen. Die Patienten waren ausdrücklich sehr zufrieden mit dieser Behandlung. Bei einer Anschlussbefragung antworteten 60 % der Teilnehmer. Sie waren durchschnittlich 8 ½ Monate erscheinungsfrei. 87,5 % hatten den Eindruck, dass diese Therapie bei ihnen besser gewirkt habe, als andere, die sie vorher ausprobiert hatten. 65 % meinten, die Psoriasis sei danach weniger stark wieder ausgebrochen. Von knapp 40 % der Teilnehmer weiß man nicht, wie die Therapie bei ihnen langfristig gewirkt hat. Die Autoren der Pilotstudie schließen nicht aus, dass gerade diejenigen Patienten nicht geantwortet hätten, die von der Therapie enttäuscht waren, weil es z.B. wieder einen schnellen Rückfall gegeben hat. Es wird hervorgehoben, dass diese Therapie außerdem sehr sicher ist. Von den Fischen selbst sind keine nennenswerten Nebenwirkungen zu erwarten. Bei der zusätzlichen UV-Bestrahlung muss man die bekannten Risiken berücksichtigen. 
 
Die Patienten waren drei Wochen täglich zwei Stunden bei einer Temperatur von 36-37°C im „Fischbad“. Danach wurden sie mit einem handelsüblichen Schnellbräuner drei bis fünf Minuten mit UVA bestrahlt. Am Ende wurde die Haut mit einer Lotion aus Glycerin, Shea-Butter und Aloe Vera Extrakt eingecremt. War auch der Kopf befallen, wurde er vor der Behandlung kahl rasiert. Jeder Patient hatte während der Behandlungszeit seine eigene Wanne und seine eigenen 250 bis 400 Fische, abhängig davon, wie hartnäckig und verbreitet die Psoriasis war. Die Fische wurden in einer Zuchtanlage professionell gehalten und kontrolliert, um jedes Risiko einer möglichen Infektion auszuschließen. 
 
Die Schulmedizin nimmt die Ichtyo-Therapie nicht ernst. Es wird lediglich akzeptiert, dass die Fische Schuppen abknabbern und die Haut glatt machen können. Es gibt keinen Nachweis, sondern nur Vermutungen darüber, warum die Therapie in Kangal wirkt: Die zusätzliche Sonneneinstrahlung dort, das Selen im Wasser oder das völlige Fehlen von Stress. Manche behaupten, die Fische würden beim Knabbern ein entzündungshemmendes Enzym oder Dithranol in die Haut einspritzen. Das konnte bisher aber nicht nachgewiesen werden. 
 
Inzwischen wird die Fisch-Therapie in heimischen Behältern nicht mehr angeboten. Sie ist zu teuer, unhygienisch und die Tiere können zu Hause nicht artgerecht gehalten werden. Wir raten davon ab! 
 
Wer damit zu einem Heilpraktiker oder in ein Behandlungszentrum geht, sollte sich vorher sehr genau über die Details der Behandlung informieren: Wie sind die hygienischen Bedingungen, d.h. hat man seine eigene Wanne und seine eigenen Fische? Wie wird das Wasser keimfrei gehalten, ohne die Fische zu gefährden? Werden mindestens 150 Fische pro Patient eingesetzt? Wie lange soll therapiert werden? Es ist noch ungeklärt, ob das absolute „Minimum“ drei oder vier Wochen beträgt. Wie sieht die Zusammenarbeit mit dem Fischzüchter aus? Wie werden die Fische gehalten, ernährt und kontrolliert? Kommen die Fische nach einer Behandlung mindestens drei Wochen in Quarantäne, bis sie einen neuen Patienten bearbeiten? Damit soll das Risiko ausgeschlossen werden, dass Krankheiten übertragen werden. Welche zusätzlichen Maßnahmen werden angeboten (UV-Bestrahlung, Darmsanierung, Ernährungsumstellung u.ä.)? In einer von uns befragten Klinik kostet eine vierwöchige stationäre Behandlung mit Unterbringung im Einzelzimmer komplett 2.400 Euro. 
 
Bei fast jeder Psoriasis-Behandung wird zusätzlich bestrahlt. Über die Risiken informieren Sie sich bitte an anderer Stelle! Grundsätzlich gilt, dass UVB bei Schuppenflechte besser hilft, als UVA, vor allem im Spektrum von 311 nm. 
 
Es gibt noch keine überzeugenden Aussagen darüber, welche Patientengruppen für diese Therapie nicht geeignet sind. Einige Anbieter behandeln Kinder unter 12 Jahren nicht. Jüngere Kindern sollten sowieso nicht mit UV-Licht bestrahlt werden. 
 
Es spricht nichts dagegen, die Ichtyo-Therapie ausprobieren, wenn man das Geld dafür hat. Sie ist eine nebenwirkungsfreie Alternative zu vielen anderen Behandlungen. Selbst bei der „natürlichen“ Klimatherapie am Toten Meer muss man mit UV-Strahlungsschäden rechnen! Aber es ist nicht jedermanns Sache, sich von Fischen beknabbern zu lassen. 
 
In 2013 hat sich der baden-württembergische Landesbeauftragte für Tierschutz gegen den Einsatz dieser Fische im Wellness-Bereich ausgesprochen. Die Tiere würden einem starken Stress ausgesetzt werden, weil sie ständig umgesetzt werden, mit unterschiedlichen Wasserqualitäten zurecht kommen müssten und sich nicht ausreichend zurückziehen könnten. Außerdem sei das Verfahren für die Menschen unhygienisch. Ausdrücklich nahm er den Einsatz der Fische zu therapeutischen Zwecken aus, obgleich sich die Bedingungen wenig unterscheiden.  
 
Weitere Informationen, Diskussionen und Einschätzungen gibt es im Psoriasis-Netz.
 
Reisen nach Kangal veranstalten Fener Reisen (Hamburg)
 
Adressen von Anbietern der Ichtyo-Therapie gibt es im Adressbuch des Psoriasis-Netzes.

Klimatherapie am Toten Meer

Als Psoriatiker wissen Sie, wie gut es Ihrer Haut tut, wenn Sie einige Zeit am Meer waren. Sonne, Salzwasser, Seeluft und viel Ruhe lassen die Schuppenflechte abheilen. Vor allem das Tote Meer gilt als das „Mekka der Hautkranken“: Das Wasser dort ist sehr mineralhaltig. Es wirkt entzündungshemmend und fördert die Aufnahme der UV-Strahlen. Die Sonne reizt die Haut nicht so stark, weil das Gebiet 400 m unter dem Meeresspiegel liegt. Üblicherweise ist man vier Wochen dort. Viele berichten, dass sie deutlich länger erscheinungs­frei waren, als nach einer aufwendigen Behandlung in unserem Klima. Kritische Stimmen warnen davor, zu oft dort hin zu fahren. Zu viel UV-Bestrahlung erhöhe immer das Hautkrebs-Risiko. Experten warnen davor, sich in einem Jahr mehr als 50 Mal intensiv dem UV-Licht auszusetzen - unabhängig davon, ob es sich um natürliche Sonnenstrahlung oder handelt oder um künstliche Bestrahlungs­lampen. UV-Schäden werden erst 20 bis 30 Jahre später wirksam. Es gibt keine Hinweise, dass Psoriatiker wegen regelmäßiger UV-Therapien öfters an Hautkrebs erkranken als Gesunde. Es gibt aber auch keinen plausiblen Grund, weshalb z.B. UVB bei Menschen mit Schuppenflechte weniger krebserregend sein soll als bei Gesunden. Vor allem, wenn auch die gesunde Haut mitbestrahlt wird. Wenn Sie also ihre Haut regelmäßig intensiv bestrahlen, sollten Sie nach ungefähr 50 Einheiten aufhören. Vor allem: Lassen Sie regelmäßig Ihre Haut nach Krebs untersuchen. Die Kasse zahlt nur den einfachen „Screen“. Wir empfehlen eine Computer-Dermatoskopie, bei der verdächtige Stellen gespeichert werden. Beim nächsten Mal kann man dann vergleichen, ob und wie die sich verändert haben.

Viele Psoriatiker waren schon mehrmals, oft auf eigene Kosten, am Toten Meer. Entweder in Ein-Bokek (Israel) oder in Suweimah (Jordanien). Beides sind keine Kurorte im deutschen Sinn: Israel bietet eine Hotel-Hochhaussiedlung, Jordanien einsame Hotelanlagen an einer Straße. Alle Hotels liegen weit ab von Städten.

Die Hautkranken haben zwar eigene, nach Geschlechtern abgetrennte Badestellen. Aber an den Swimmingpools, den Sonnendecks, im Hotel und am Strand herrscht völlig normaler (Bade-) Tourismus mit Jubel, Trubel und Heiterkeit bis in die Nacht. Im Sommer wird es unerträglich heiß. Nur Hartgesottene liegen dann bis zu acht Stunden pro Tag in der Sonne. Das sollten Sie wissen und sich entsprechend vorbereiten. Das staatliche israelische Verkehrsbüro verspricht, dass für Besucher des Toten Meeres keine Gefahr bestehe, in kriegerische Auseinandersetzungen hineingezogen zu werden. Wer nach Israel fliegt, muss aber bei den Kontrollen vergessen, dass es ein Recht auf persönlichen Datenschutz gibt. Mit einem israelischen Stempel im Pass gibt es Probleme in vielen moslemischen Ländern. Mit einem Passvermerk aus einem arabischen oder anderen moslemischen Land gibt es oft Schwierigkeiten bei der Einreise in Israel. Erkundigen Sie sich rechtzeitig über die Einreisebedingungen.

Für Reha-Maßnahme ist entweder die Krankenkasse oder die Rentenversicherung zuständig. Die Deutsche Rentenversicherung (DRV) genehmigt aber bisher keine Heilbehandlung am Toten Meer – außer der DRV Mitteldeutschland. Die DRV bezweifelt, dass der Heilaufenthalt dort deutschen Therapie-Standards entspricht.

Für Psoriatiker bleibt demnach zurzeit nur die Krankenkasse, bei der man einen Klimaaufenthalt am Toten Meer beantragen kann. Die aber darf einen Auslandsaufenthalt nur ausnahmsweise bewilligen: Das ist der Fall, wenn bei Ihnen die Behandlung der Schuppenflechte nur noch im Ausland möglich ist. Doch diese Regelung wird immer mehr aufgeweicht: Weil Heilbehandlungen im Ausland oft deutlich billiger sind, werden immer ambulanten Kuren von den Kassen bezahlt – in Israel wie in Jordanien.

Wenn Sie sich von der Krankenkasse eine Rehabilitation bezahlen lassen wollen, müssen Sie diese Maßnahme verordnet bekommen – bei Psoriasis oder Psoriasis Arthritis vom behandelnden Dermatologen oder Rheumatologen. Erkundigen Sie sich bei Ihrer Krankenkasse, ob es für Klimatherapien am Toten Meer eigene Antragsformulare gibt.

Gehen Sie davon aus, dass auch Sie selbst Ihren Arzt überzeugen müssen. Die Reiseveranstalter wissen, worauf es dabei ankommt. Lassen Sie sich von denen beraten, weil die auch die Fachbegriffe kennen, die bei so einem Antrag fallen sollten. Aus seinen Unterlagen und Ihren Schilderung soll der Arzt alle Informationen bekommen, um medizinisch begründen zu können, weshalb gerade bei Ihnen nur noch das Tote Meer in Frage kommt. Er sollte auflisten, mit welchen Maßnahmen Ihre Psoriasis bisher in einheimischen Fachkliniken behandelt wurde und angeben, dass bisherige Behandlungen ohne lang anhaltenden Erfolg waren.

Erfahrungsgemäß müssen mindestens zwei stationäre Aufenthalte in Deutschland und entsprechende Bestrahlungstherapien dabei gewesen sein. Fotos (und Röntgenbilder bei Gelenkbeteiligung) könnten seine Verordnung bekräftigen. Er muss darin begründen, weshalb gerade für Sie persönlich die Klimatherapie medizinisch notwendig ist. Eventuell kann bei Ihnen nur durch die Klimatherapie eine Behandlung mit Kortison oder einem sehr teuren Medikament abgewendet werden. Er sollte erklären, dass eine längere Erscheinungsfreiheit nur durch einen Aufenthalt am Toten Meer zu erzielen ist. Wenn sie schon dort waren, erklären Sie, wie lange Sie nach der vorherigen „Kur“ am Toten Meer erscheinungsfrei waren. Zusätzlich könnten Sie selbst etwas formulieren: Sie können selbst am besten ausdrücken, wie sie körperlich und psychisch unter der Psoriasis leiden. Sie können Beispiele nennen, wie sich die Krankheit auf Ihr Alltagsleben und Ihre Lebensqualität auswirkt. Scheuen Sie sich nicht, aktuelle Fotos beizulegen. Die Tageszeitung in Ihrer Hand beweist, dass das keine alten Aufnahmen sind.

Einige Krankenkassen haben erkannt, dass sie durch Klimabehandlungen langfristig Geld einsparen können. Ein Aufenthalt am Toten Meer ist meist billiger, als das Krankenhaus oder die Reha-Klinik in Deutschland. Gleichzeitig haben die Kassen aber Verträge mit Reha-Kliniken bzw. eigene Häuser, die natürlich ausgelastet werden müssen.

Der sicherste Weg ist, dass Sie sich mit einem Reiseveranstalter in Verbindung setzen, bevor Sie bei Ihrer Krankenkasse einen Antrag stellen. Dort weiß man sehr gut, wie man seine Anträge begründen muss. Manche Krankenkassen haben eigene Vertragspartner für die Organisation der Reise und die Unterbringung am Toten Meer. Nicht bei allen ist eine freie Wahl möglich. Fragen Sie vorher danach.

Sie müssen nicht erst vier Jahre warten, um erneut eine Klimabehandlung am Toten Meer bewilligt zu bekommen. Für chronisch Kranke gilt, dass Anträge jederzeit gestellt werden können, wenn es „aus gesundheitlichen Gründen dringend erforderlich ist“ (§ 40 SGB V).

Informieren Sie sich vorher genau, ob das Tote Meer das Richtige für Sie ist. Patienten mit zusätzlichen Krankheiten müssen sich vorher erkundigen, ob sie dort von Fachärzten ausreichend versorgt werden können. Die Lage vor Ort, der Ablauf der Behandlung, Ausflugsmöglichkeiten, Preise usw. erfährt man am besten im Internet. Hintergrundinformationen und Erfahrungsberichte finden Sie unter www.Psoriasis-Netz.de. Aktuelle Informationen über die politische Lage im Land gibt das Auswärtige Amt unter der Telefonnummer 01888 - 17 10 18.

Sehr viele Reha-Anträge werden erst einmal abgelehnt. Darauf sollten Sie gefasst sein und Widerspruch einlegen. In unserer Information „Reha abgelehnt?“ erfahren Sie, wie Sie sich in diesem Fall verhalten sollten.

Sie können im Internet selbst ein Hotel buchen. In Israel, in der Umgebung von Ein-Bokek gibt es auch Privatquartiere. Oder Sie suchen sich einen Reiseveranstalter, der Klimatherapien am Toten Meer anbietet. Manche bieten Gruppenreisen an. Reiseveranstalter für das Tote Meer finden Sie im Adressbuch des Psoriasis-Netzes.

Auf dem Internetportal www.Psoriasis-Netz.de finden Sie Hintergrundinformationen und Erfahrungsberichte zum Toten Meer.
 
Aktuelle Informationen über die politische Lage im Land gibt das Auswärtige Amt unter der Telefonnummer 01888 - 17 10 18.

Aloe Vera

Aloe Vera – ein Wundermittel?

Niemand, der sich mit Hautkrankheiten beschäftigt, kommt an Aloe Vera Produkten vorbei. Immer wieder versichern Anbieter und Heilpraktiker, mit Aloe Vera könnte man viele Krankheiten, wie z.B. Schuppenflechte oder Neurodermitis, heilen oder wenigstens dauerhaft deutlich eindämmen. Eindrucksvoll stellen sie Fotos und Berichte von „geheilten“ Patienten vor, bei denen die Schulmedizin erfolglos geblieben sei. Doch die angepriesene heilende Wirkung des Fleisches aus den dicken Pflanzenblättern ist wissenschaftlich nicht belegt. Aloe Vera Anbieter versprechen häufig nicht nur Heilung, sondern auch einen guten Nebenverdienst. Die Verbraucherzentrale Hessen warnt: "Wir raten ab von der unkritischen Einnahme und dem Einstieg in den Direktvertrieb von Nahrungsergänzungsmitteln wie Aloe Vera & Co."
 
Patient wird Teil des Vertriebssystems 
„Heilung“ der Schuppenflechte dürfen die Anbieter nicht versprechen, weil Aloe Vera nicht als Medikament bei Hautkrankheiten zugelassen ist. Aber es gibt immer wieder Einzelberichte von Menschen, die behaupten, ihre Psoriasis sei durch Aloe Vera weggegangen. Kritiker behaupten, die herumgezeigten Fotos seien seit Jahren immer die gleichen. Alle diese Produkte sind teuer. Mehrere große Anbieter liefern sich einen Glaubenskrieg und behaupten, nur sie hätten die „wahre“ Aloe. Bei vielen Anbietern wird der Käufer gleich Teil des Vertriebssystems. Weil die Produkte so teuer sind, kann man die Ausgaben für den eigenen Bedarf drücken: Man muss nur selbst genug Käufer für die teuren Produkte finden, um auf die eigenen Einkäufe einen großzügigen Rabatt zu erhalten. In Internetforen treten die Verkäufer und ihre Anhänger oft sehr aggressiv gegen jeden auf, der ihre Versprechungen anzweifelt. In Zeiten hoher Arbeitslosigkeit wächst die Anzahl derjenigen, die freiberuflich solche Produkte vertreiben und die davon leben müssen.
 
Medizinische Wirkung
Über die medizinische Wirkung von Aloe Vera auf der Haut gibt es überhaupt bisher nur eine einzige, kontrollierte Studie von 1995. Bei diesem Test ist aber die Wirkung auf die Psoriasis nicht mit untersucht worden. Im Berliner Immanuel-Krankenhaus wird Aloe Vera bei Neurodermitis und anderen entzündlichen Zuständen eingesetzt. Erfahrungen mit Psoriatikern liegen noch nicht vor. Das Problem bei Aloe Vera Produkten ist, dass die Pflanzenwirkstoffe von sehr unterschiedlicher Qualität sind. Sie schwanken wie beim Wein: je nachdem, aus welchem Land, von welchem Boden und mit welcher Zubereitungsmethode das Produkt hergestellt wurde. Die Aloe Vera Pflanze enthält (je nach Herstellerangaben) zwischen 160 und 450 Substanzen. Es gibt keine herausragende „Leitsubstanz“. Vor allem das Gel des frisch abgeschlagenen Blatts soll, so die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die meisten Wirkstoffe enthalten – selbst aus dem Blumentopf zu Hause. Wird das Gel erst einmal zu Kosmetika verarbeitet, büßen einige Substanzen ihre Aktivitäten ein. Niemand behauptet, Aloe Vera sei komplett unwirksam. Bei UV-Schäden durch Sonnenbrand verringert Aloe die Rötungen und mildert die Verbrennungen und ist damit eine echte Alternative zum Kortison. Das bewirken aber auch Kamille, Hamamelis, Koriander oder Arnika. Man kann Aloe Vera Gel ebenfalls als Hausmittel anwenden, zum Beispiel gegen juckende Insektenstiche oder kleinere Wunden. Um eine stark entzündete Psoriasis zu behandeln, reicht Aloe Vera erfahrungsgemäß nicht aus. Aber es ist anerkannt, dass mit äußerlich aufgetragener Aloe Vera eine Psoriasis-Therapie „unterstützt“ werden kann. Die enthaltenen Kohlenhydrate wie Accemannan treiben die oberflächlichliche Hautheilung voran und Salizylsäure hemmt leichte Entzündungen. Übereinstimmend sagen selbst Kritiker, dass man keine Nebenwirkungen befürchten muss, wenn man Aloe Vera äußerlich aufträgt
 
Vorsicht Nebenwirkungen 
Aloe Vera Granulat ist als apothekenpflichtiges, starkes Abführmittel zugelassen. Das enthält Aloin und Anthrachinone. Das Bundesinstitut für Arzneimittel- und Medizinprodukte rät davon ab, dieses Abführmittel länger als zwei Wochen einzunehmen. Sonst kann der Wasser- und Elektrolyt-Haushalt des Körpers schwer beeinträchtigt werden. Aloin + Anthrachinone werden verdächtigt, bei Daueranwendung Krebs zu erzeugen und das Erbgut zu schädigen. In Kosmetika und Lebensmitteln wie Aloe Vera Saft sind diese risikoreichen Stoffe nicht mehr enthalten. Trotzdem sollte, wer Aloe Saft trinkt, nicht zu viel davon aufnehmen. Das jedenfalls meint Pof. P. Proksch von der Uni Düsseldorf. Es sei denkbar, dass Aloe Vera Saft die Wirkung von Arzneimitteln beeinflusse. So könnten die ballaststoffreichen Kohlenhydrate von Aloe Vera die Aufnahme von lebensnotwendigen Medikamenten im Darm verringern, wie beispielsweise bei Herzpatienten. Die Stiftung Warentest dagegen meint, dass der Saft „ohnehin nicht viel Bioaktivstoffe“ enthalten könne. Er würde meist aus dem Aloe Vera Gel hergestellt, das zu 98,5 % aus reinem Wasser besteht. Das Gel enthalte 0,3 % Kohlehydrate und 1,2 % Vitamine, Mineralstoffe und Enzyme. Nicht sehr viel für ein angeblich „einzigartiges Wirkstoffgefüge“ (Herstellerwerbung). Frank Herfurth (Verband Freier Heilpraktiker und Naturärzte, Köln) weist darauf hin, das billige Aloe Produkte oft von schlechter Qualität seien. Sie sollten auf jeden Fall von der Aloe Barbadensis stammen. Für kontrollierte Rohware und Verarbeitung, so die Stiftung Warentest, bürgen das Bio-Siegel, die Siegel von Neuform oder vom IASC = International Aloe Science Council.
 
Placebo-Effekt? 
Sicherlich gibt es Fälle, bei denen die Krankheit tatsächlich zurückgegangen ist, wenn jemand seine Psoriasis-Stellen mit Aloe Vera eingecremt hat. Streng wissenschaftlich ist es aber nicht eindeutig zuzuordnen, ob es tatsächlich die Aloe Vera war, die diesen Rückgang bewirkt hat. Das kann, muss aber nicht sein! Zum einen "wirken" Mittel auch dann, wenn man fest daran glaubt. Immer wieder zeigt es sich, wie beeinflussbar wir Menschen sind. Da gibt man Kranken eine angebliche Wunderpille, inszeniert eine intensive Beratung durch einen unangreifbaren Experten. Man schafft ein Klima, in dem sich die verzweifelten Patienten hoffnungsvoll an dieses Versprechen klammern und alles glauben. Bei einem Drittel der Menschen hilft diese Pille dann wirklich und führt sogar zu Nebenwirkungen. Eben der typische "Placebo-Effekt". Unglaublich, aber wahr, dass man bei manchen Menschen eine Krankheit nur über die Psyche beeinflussen kann. Selbst vorgetäuschte Knieoperationen oder Schein-Akupunkturen können erfolgreich wirken! Mediziner weisen darauf hin, dass viele Kranke erst dann zu einem "Wundermittel" greifen, wenn sie schon völlig verzweifelt sind. Bei einigen ist die Krankheit dann so weit fort entwickelt, dass sie auch ohne jede Behandlung zurückgehen würde. Das trifft typischerweise gerade bei der Psoriasis immer wieder zu, weil sie schubweise auftritt. Wer in dieser Zeit gerade Aloe Vera oder ein anderes Mittel genommen hat, glaubt natürlich, das hätte geholfen. Der Verbraucher wird hinters Licht geführt und womöglich gefährdet, wenn er gutgläubig seine bisherigen Therapien absetzt. Patienten sollten sich auf Aloe allein zur Heilung ihrer Krankheit nicht verlassen, sondern unbedingt bei der ärztlich verordneten Therapie bleiben. Unsere Zweifel gelten für Aloe Vera wie für alle andere angepriesene Wundermittel. Wenn einige Psoriatiker damit ihre Haut erscheinungsfrei bekommen haben, freuen wir uns von ganzem Herzen für sie. Leider sind das nach unseren Erfahrungen nur einzelne Fälle. Aloe Vera ist eine lang bekannte Heilpflanze. Das bestreitet niemand. Wir meinen: Jeder, der Aloe Vera ausprobieren will, sollte es machen. Schaden kann es bei einer schwachen Psoriasis nicht. Bei einer schweren oder mittelschweren Verlaufsform sollte man Aloe immer nur zusätzlich zu einer ärztlich überwachten Therapie anwenden und nie an deren Stelle!
 
Sachinformation contra Werbeversprechen
Wundermittel gegen Psoriasis werden überall und zu jeder Zeit angeboten. Seien Sie stets misstrauisch. Beschaffen Sie sich unterschiedliche Informationen über eine angeblich so erfolgreiche Therapie! Seien Sie immer sehr vorsichtig, wenn Ihnen jemand etwas verkaufen will! Niemand von uns glaubt alles, was die Werbung verspricht. Warum sollte das bei solchen Präparaten anders sein? Völlig klar, dass Eltern für ihre Kinder nicht gleich die stärksten Pharma-Produkte nehmen wollen. Allen raten wir: Wenn möglich, behandeln Sie Ihre Kinder erst mit dem mildesten Wirkstoff, der für Psoriasis geeignet ist. Und der wird selten aus der Pharmafabrik kommen! Aber seien sie skeptisch, wenn ein Mittel angeblich gegen „fast alle“ Krankheiten helfen soll!
 
Quellen:
  • ”Quivive – das Gesundheitsmagazin“,RBB, Fernsehbeitrag vom 04.02.04, 20.15 Uhr, Autorin: Erika Brettschneider 
  • „Heilpflanze Aloe Vera kein Wundermittel - In Nahrungsmitteln wird die Wirkung der Wüstenlilie stark überschätzt“ Berliner Morgenpost vom 13. August 2005 
  • "Die wahre Aloe" Stiftung Warentest, test 7/2003, S. 24f. Stiftung Warentest 
  • "Aloe Vera: Das einzig Wahre auch bei Psoriasis?" PSO aktuell 4/2002, Seite 16ff. 

Interferenzstrom

Im Frühjahr 2000 wurde eine Methode bekannt, um die Schuppenflechte an Händen und Füßen erfolgreich zu behandeln. An der Hautklinik der Uni Mannheim wurden im Rahmen einer streng wissenschaftlich abgesicherten Studie Patienten mit „Interferenzstrom (IFS) therapiert. Die beteiligten Ärzte empfehlen inzwischen - nach langjähriger Erfahrung- diese IFS-Therapie weiterhin nur für die Psoriasis an Händen und Füßen. Interferenzstrom wirke zwar auch an anderen Körperstellen, sei aber den üblichen Psoriasis-Therapien nicht überlegen, sondern eher umständlicher. Die Hersteller dagegen bieten teilweise Zusatzteile an, um Rumpf, Kopf, Nägel und Gelenke mit Interferenzstrom behandeln zu können. Weil diese IFS-Methode rechtlich nicht geschützt ist, gibt es mehrere Anbieter auf dem Markt, deren Geräte sich teilweise technisch stark unterscheiden. Umstritten unter den Experten ist, ob und wie sich diese technischen Unterschiede für den Abheileffekt der Psoriasis auswirken. Nur diejenigen Anbieter dürfen sich auf die erfolgreiche Studie berufen, deren Geräte technisch 1:1 die gleichen Werte vorweisen, wie die in der Mannheimer Studie benutzten. Es ist bisher noch keine weitere, ordentliche Patientenstudie veröffentlicht worden, die nachweist, dass auch abweichende Interferenzstromgeräte erfolgreich sind. Das sagt aber nicht, dass sie den Betroffenen nicht helfen, sondern nur, dass deren Wirkung noch nicht wissenschaftlich nachgewiesen ist. 
 
Mit Interferenzstrom wurden zwölf Patienten behandelt, die seit mindestens einem Jahr schwer an den Händen befallen waren und durch übliche Mittel nicht erscheinungsfrei wurden. Sie mussten täglich morgens und abends jeweils sechs Minuten ihre Hände in ein Wasserbad halten. Das wurde an zwei Elektroden mit Interferenzstrom angeschlossen. Die Patienten spürten dabei ein schwaches Kribbeln auf der Haut. Nach drei Monaten zeigte sich nur bei einem Patienten keine Wirkung. Bei den anderen elf wurde das Ergebnis mit "deutlich abgeheilt" oder "deutlich reduziert" angegeben. Dieses Therapieergebnis hätte durch eine Langzeitstudie an einer größeren Patientengruppe abgesichert werden müssen, weil natürlich 12 Testpersonen keine seriöse Aussage zulassen. Weil für mehr Testpersonen mehr teure Geräte hätten angeschafft werden müssen, ist es aus finanziellen Gründen nicht mehr zu einer weiteren Studie gekommen. Das Verfahren wurde aber in der Klinik weiter bei Patienten angewendet. Nach mehrjähriger praktischer Erfahrung geht man dort davon aus, dass 40% bis 50% der Behandlungen erfolgreich sind. 
 
In Karlsruhe wurde an den unterschiedlichsten Instituten von den Professoren Dertinger (Institut für Medizintechnik und Biophysik IMB) und Meyer-Waarden (Institut für Biomedizinische Technik IBT) die Grundlagen erforscht. Ziel war, die technischen Bedingungen für Interferenzstromgeräte herauszufinden, unter denen Schuppenflechte erfolgreich behandelt werden kann: Man weiß, dass menschliche Zellen auf niederfrequenten Strom reagieren. Um auch mittelfrequente Ströme wirksam werden zu lassen, müssen diese Ströme mit einem niederfrequenten Rhythmus (Frequenz) in ihrer Stärke verändert (moduliert) werden. Die Wissenschaftler des IMB arbeiteten mit Wechselströmen von 4.000 Hertz, während die des IBT 10.000 Hz bevorzugten. Die Modulationsfrequenzen sind 10 und 100 Hertz; die Stromdichten ca. 100 mA/cm2. Dieser Interferenzstrom sorgt dafür, dass die Hautzellen mehr Botenmoleküle cAMP (cyclisches Adenosin-monophosphat) bilden. Das cAMP sendet an die Haut Signale aus, sich weniger zu teilen, Die überstürzte Teilung der Oberhautzellen beginnt sich zu normalisieren. Die Schuppenflechte heilt ab. Es wird vermutet, dass durch den Interferenzstrom der Haut außerdem signalisiert wird, weniger Entzündungen zu bilden. 
 
Die Wissenschaftler haben symptomfreie Pausen bis zu einem Jahr beobachtet und behaupten, die Therapie sei ungefährlich und könne immer wieder angewandt werden. Das ist aber rein theoretisch, denn Langzeituntersuchungen liegen nicht vor. Es ist noch nicht erforscht worden, ob sich die Patienten an die IFS-Therapie gewöhnen, wenn sie sie über längere Zeit anwenden. Nützt dann eine höhere Dosis noch etwas oder schlägt die Wirkung sogar um? Man weiß auch noch nicht, ob man beeinflussen kann, wie lange ein Patient erscheinungsfrei ist. 
 
Als Selbsthilfegruppe können wir den Streit der Experten nicht entscheiden, welche technischen Details an den Geräten unbedingt beibehalten werden müssen, damit die Psoriasis positiv beeinflusst wird. Wir wissen nicht, wie sich technische Abweichungen auswirken. So stritten sich in der Vergangenheit z.B. die Experten der beiden genannten Institute darüber, ob eine Stromstärke, die über den Werten der Mannheimer Studie liegt, den Heilerfolg positiv oder negativ beeinflusst. Vergleichende Untersuchungen darüber gibt es nicht. Wir können den betroffenen Patienten nur raten, das selbst auszuprobieren. Patienten mit Herzschrittmacher aber dürfen sich auf keinen Fall mit Interferenzstrom behandeln lassen. Interessierte sollten sich mit ihrem Hautarzt beraten. Am günstigsten ist es, wenn Sie sich im Rahmen eines Klinikaufenthalts mit der IFS-Behandlung vertraut machen. Der Hersteller IONTO-COMED gab bisher bereitwillig Auskunft, welche Klinik bzw. welcher Arzt in Ihrer Nähe ein Interferenzstromgerät für Psoriatiker hat. Sie können sich aber auch auf eigene Kosten ein Heimgerät anschaffen. Das wird zwar nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen, ist aber steuerlich absetzbar, wenn eine Heilmittelverordnung des Arztes vorliegt. Natürlich möchte niemand ein Gerät kaufen, von dem er nicht sicher ist, ob es ihm wirklich hilft. Deshalb sollten Sie bei den teuren Geräten darauf achten, ob Sie es zu erst einmal mieten können oder ob es nach einer angemessenen Anwendungszeit (z.B. sechs Wochen) zurückgenommen wird. 
 
Vorsicht beim Kauf von Heimgeräten 
 
Unsere Selbsthilfegruppe hat sich zweimal ausführlich über diese Therapie informiert. Der „Entdecker“, Professor Dertinger vom Forschungszentrum Karlsruhe war bei uns in Berlin und hat uns die Wirkungsweise erklärt. Anschließend haben wir öffentlich die in 2001 auf dem Markt befindlichen Geräte überprüft. Eines davon hat die technischen Vorgaben nicht erfüllt. In 2005 werden angeboten: 
 
1. „NEPTUN-SL" der Firma Nemectron GmbH. Das Gerät entspricht technisch genau (1:1) den Geräten, mit denen die Studie in Karlsruhe und Mannheim erfolgreich durchgeführt wurde. Es hat zwei Schalter, damit die Modulationsfrequenz von 10 Hz auf 100 Hz umgeschaltet werden kann. Der Hersteller empfiehlt es nicht nur für Hände und Füße, sondern auch bei großflächigem Pso-Befall am ganzen Körper. Darüber hinaus soll es verwendet werden können z. B. für die allgemeine Schmerzbehandlung im Wirbelsäulen- und Gelenkbereich. Das Gerät kostete in 2001 knapp 1.700 Euro. 
 
2. „IONTO® PSO“ der IONTO-COMED GmbH. Das Gerät wurde am Institut für Biomedizinische Technik der Uni Karlsruhe entwickelt. Die Frequenz des „Trägerstroms“ liegt bei 10 KHz und nicht bei 4 KHz, weil man davon ausgeht, dass dadurch die Therapie effektiver und wirksamer wird. Die Modulationsfrequenz kann bei diesem Gerät ebenfalls von 10 Hz auf 100 Hz umgeschaltet werden. Es werden, neben den Elektroden für Hände und Füße, auch solche für andere Körperpartien und den ganzen Körper angeboten. Der Hersteller empfiehlt das Gerät auch für eine „allgemeine Schmerzbehandlung“. Es kostete in 2001 rund 720 Euro, kann aber auch gemietet werden. 
 
 
3. „CellVAS® psoriasis“ von Software + Systeme Erfurt GmbH ist seit Ende 2005 auf dem Markt. Nach Angaben der Vertriebsfirma entspricht es technisch den Geräten, mit denen die Studie in Karlsruhe und Mannheim erfolgreich durchgeführt wurde. Auch bei diesem Gerät können die Modulationsfrequenzen von 10 Hz auf 100 Hz umgeschaltet werden kann. Es kostet 660,00 € zzgl. MWSt. Das Gerät darf auch erst einmal für monatlich 80,00 € (inkl. Mehrwertsteuer) gemietet werden. Innerhalb von 4 Wochen kann man sich für den Kauf entscheiden oder es jederzeit zurückschicken. Dann wird die Miete taggenau abgerechnet. 
 
Das Gerät von NEMECTRON ist in der erwähnten wissenschaftlichen Vorstudie erfolgreich getestet worden. Der Hersteller gibt das Gerät den Patienten nicht direkt mit nach Hause. Der behandelnde Arzt müsse vorher intensiv geschult sein, weil der Erfolg bei kleinsten Fehlern gefährdet sein könne. IONTO-COMED bietet ein ähnliches, aber technisch verändertes Gerät an. Die Patienten können es vor dem Kauf ausleihen. Bei der Vorstellung in Berlin zeigte der Hersteller Fotos von Behandlungserfolgen bei fünf Patienten. In drei Fällen wurde die IF-Stromtherapie mit anderen Wirkstoffen (Dithranol, Vitamin D3 u.ä.) kombiniert. Zwei Patienten wurden nur mit dem Gerät behandelt. Eine wissenschaftliche Studie liegt nicht vor. IONTO-COMED hat sich seinerzeit mit einer sehr aufwendigen Werbekampagne direkt an die Patienten gewendet. Wir hatten ein Gerät in Berlin. Patientin und behandelnder Arzt wurden sehr knapp in die Behandlung eingeführt. Es gab keine Hinweise auf falsche Anwendungsformen. Der Hersteller geht davon aus, dass die Behandlung im Extremfall sechs Monate dauern könne. Als die Behandlung nach drei Monaten abgebrochen wurde, gab es keine Auswertung mit Arzt und Patientin. Für uns als Patientengruppe ist es bisher unklar, worin sich der 3 x so teure „NEPTUN-SL“ vom „CellVAS® psoriasis“ unterscheidet, wenn technisch die gleichen Bedingungen vorliegen. 
 
Dr. med. Arnim Philipp hat vermutlich die längste praktische Erfahrung mit dieser Therapie. Er bedauert, dass diese „einfache und nebenwirkungsarme Therapieform in Vergessenheit“ geraten ist. Er ist weiterhin davon überzeugt, dass Interferenzstrom bei Psoriasis an Händen und Füßen wirkt (PSO aktuell 3/2004). 
 
Wir haben in unserer langjährigen Erfahrung folgende Faustregel entwickelt: Nicht jeder Psoriatiker spricht gleich gut an auf eine Therapie oder ein Medikament. Was dem einen hilft, kann bei dem anderen mehr oder weniger wirkungslos bleiben. Eine Behandlung, die nach sechs Wochen nicht erste sichtbare Erfolge erzielt, ist vermutlich für den Patienten nicht geeignet. Auch längeres Probieren führt dann selten zum Therapieerfolg. 
 
Weitere Informationen über die Interferenzstrom-Therapie finden Sie im Psoriasis-Netz
Angaben über die Anbieter von Interferenzstrom-Geräten finden Sie im Adressbuch des Psoriasis-Netzes

Chinesische Medizin

Wie behandelt die traditionelle chinesische Medizin die Schuppenflechte?

Fragt man einschlägige Institute oder Heilpraktikern, ob es möglich ist, Psoriasis mit Methoden der „Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM)“ zu behandeln, erhält man alle denkbaren Antworten zwischen „Ja“ und „Nein“. Wer sich mit Psoriasis oder Psoriasis Arthritis auf TCM einlassen will, muss sich vor allem Zeit nehmen – um einen Therapeuten zu finden, von dem man genau weiß, dass er Erfahrungen und möglichst auch Erfolge mit dieser Krankheit hat. Zeit benötigt man aber auch deshalb, weil Veränderungen oft erst nach vielen Monaten zu erkennen sind. 
 
Die Philosophen Lao-Tse und Konfuzius (beide um 500 v.u.Z.) haben Denken und Handeln der chinesischen Medizin über zwei Jahrtausende bestimmt. Schriftgelehrte haben ausführlich dokumentiert, wie erfolgreich die Ärzte damit in der Vergangenheit waren. Dieser traditionelle Ansatz wird heutzutage gerade noch an 10 % der chinesischen Kliniken praktiziert. 
 
Die traditionelle chinesische Medizin geht davon aus, dass jedes menschliche Organ seine eigene Lebensenergie Qi (gesprochen: Tschi) besitzt. Dieses Qi fließt in Energiebahnen (Meridiane) über bestimmte Zugangspunkte durch den gesamten Körper. „Krankheit“ bedeutet, dass ein Organsystem entweder zu viel oder zu wenig Energie erhält. Wenn der Energiefluss an einem Organ gestört ist, zeigt sich das an jedem Teil des Körpers zeigen, durch den der entsprechende Meridian fließt. Logischerweise kann deshalb diese Blockierung an jedem dieser Zugangspunkte entlang des Meridians wieder aufgehoben werden. Zum Beispiel durch Akupunktur genau an diesen Punkten. Durch die Therapie wird diese Blockierung gelöst und das Qi kann wieder frei fließen: das Gleichgewicht ist an diesem Meridian wiederhergestellt. Es bleibt aber ein nie erreichbarer Idealzustand, Yin und Yang zugleich im Körper, im Geist und in der Seele völlig harmonisch zu gestalten. Völlige ganzheitliche Gesundheit kann auch die TCM nicht bewirken. 
 
Die chinesischen Medizin basiert auf Yin, dem Weiblichen (das einen Keim des Männlichen in sich trägt) und Yang, dem Männlichen (das einen Keim des Weiblichen in sich trägt). Beide ergänzen sich zu einem Ganzen. Krankheiten werden danach behandelt, ob sie einen Mangel bzw. Überschuss an Yin oder an Yang signalisieren. Yin ist substantiell, passiv, kalt usw. Yang steht für dynamisch, aktiv, warm, heiß usw. Eine Krankheit zeigt zu viel Yang bei Fieber, rotem Gesicht, Unruhe, starken Gerüchen der Ausscheidungen, roter Zunge und schnellem, aufwallendem Puls. Sie bedeutet zu viel Yin bei Frieren, Blässe, Mattigkeit, großen Mengen geruchloser Ausscheidungen, blasser Zunge und straffem, tiefem, gemächlichem Puls. Es gibt äußere Ursachen wie Wind, Kälte, Sommerhitze, Feuchtigkeit, Trockenheit oder Glut. Oder die Krankheit kommt von innen durch Lust, Zorn, Sorge, Trauer, Furcht oder Schreck. Wer in dieser Tradition steht, für den gibt es keine „reine“ Hauterkrankung. Störungen auf der Haut werden angesehen als Störungen an den Organen, die sich lediglich an diesem Punkt des Körpers äußern. Behandelt werden deshalb in erster Linie nicht die Hauterscheinungen selbst, sondern die mit der Haut und den Haaren durch Meridiane verbundenen Organe Lunge oder Dickdarm. 
 
Die chinesische Medizin kennt keine einheitliche Ursache für Hautkrankheiten. „Eine Krankheit ist wie ein Baum. In den Wurzeln finden sich die Ursachen, wir aber sehen nur ein System von Zweigen (Erscheinungsformen, Krankheitssymptome),“ so der Berliner Heilpraktiker Dr. rer. nat. Friedrich Dimmling. Bei der Diagnose werden deshalb (ganzheitlich) Anhaltspunkte in Körper, Geist und Seele gesucht. Nur so kann bestimmt werden, welchem Organ eine Krankheit zugeordnet wird. Nur wer den gesamten Menschen betrachtet, erfährt, wie sich bei in seinem Fall Yin und Yang zueinander verhalten. 
 
Der Patient wird eingehend befragt und betrachtet. Sein Geruch und der Klang seiner Stimme sind ebenso wichtig, wie sein Gefühlsleben, sein Schlaf und seine Verdauung. Bedeutend ist, welche Wärme- und Kälteempfindungen der Patient hat. Hände, Puls, Zunge und Ohren werden genau untersucht, um daraus auf konkrete Disharmonien zu schließen. Leidet der Patient z.B. unter Verstopfung, fällt es ihm schwer zu schwitzen oder zu schreien, kann er Altvertrautes nicht loslassen oder unterdrückt er sein Traurigsein, dann wird die Psoriasis als Ausscheidungs-Schwäche des Dickdarms diagnostiziert. Das Yin stagniert und es herrscht ein Yan-Mangel. Es kann aber auch sein, dass der Therapeut Anhaltspunkte dafür findet, dass die Psoriasis von einer Disharmonie an der Lunge herrührt. Die Lunge beherbergt gleichzeitig einen Teil der Seele (Psyche). 
 
Andere Therapeuten unterscheiden die Psoriasis aufgrund von Bluthitze, von Blutstasen (Blutstauung), Blutarmut oder wegen Feuchtigkeitshitze. Weitere Ursachen für die Schuppenflechte können sein Windhitze, Bluttrockenheit, Leber-/Nieren-Leere oder Milz- Nieren-Leere. Eine Psoriasis kann schließlich auch ausgelöst werden durch eine Zhong Ren Dysbalance oder durch Hitze der Gong Ebene. 
 
Die traditionellen Behandlungsmethoden der chinesischen Medizin sind Akupunktur und Akupressur, Moxibustion (Akupunkturpunkte werden mit Kräutern erwärmt), Qigong (sprich: Tschigong = Bewegungstherapie,), Schröpfen, Fünf-Elemente-Lehre (Ernährungsempfehlungen) und vor allem Heilkräutertherapie (Pythotherapie). Es gibt einige Akupunkturpunkte mit Hautbezug. Die muss man sehr genau vorher durch Pulsdiagnose herausfinden. Der Schwerpunkt der Behandlung von Psoriasis in der Chinesischen Medizin liegt aber zu 80% bis 90% in der Heilkräutermedizin. Bei starker Schuppenbildung müssten zum Beispiel Yang-betonte Rezepturen zugeführt werden. Werden Hauterscheinungen ganz allgemein behandelt, kann man Lunge und Dickdarm durch Yin-betonte Substanzen beeinflussen. Die verschiedenen Heilkräuter werden nie einzeln, sondern immer als Mischungen von ca. 8-12 Kompositionen verabreicht. Wichtige Heilpflanzen sind u.a. Lei Gong Teng (Tripterygium Wilfordii), Ba Xia (Smilax China), Huai Hua (Sophora japoni-ca). Die Haut selbst kann allgemein durch Ernährungsvorschläge im Sinne der Lehre von Yin und Yang verbessert werden. 
 
Es wird dringend davor gewarnt, sich ohne Therapeut mit chinesischen Kräutern selbst zu behandeln: Zum einen muss die Diagnose im Sinne der chinesischen Medizin stimmen. Zum anderen ist die Herstellung von chinesischen Kräutermischungen eine Vertrauenssache. Statt Fertigpräparate im Internet zu bestellen, sollte man sich die Rezepturen besser bei spezialisierten Apotheken in Deutschland herstellen lassen. Immer wieder gibt es Direktimporte, die stark mit Pflanzengiften belastet sind. Aus den USA sind Fälle bekannt geworden, bei denen Patienten durch kriminelle Mixturen an chinesischen Kräutern erkrankt oder sogar gestorben sind. Ebenso wurde bei Hautkranken undeklariert Kortison in die Kräutermischungen getan. 
 
Auch für die chinesische Medizin ist Psoriasis ein eher schwer zu behandelndes Krankheitsbild. 
 
Kritik
 
Die chinesische Medizin hat eine sehr lange Tradition. Über die Jahrhunderte wurde davon berichtet, wie Menschen dadurch geheilt wurden. Trotzdem entsprechen diese Berichte nicht den heutigen Anforderungen an medizinische Studien. Es gab nie Vergleiche mit Placebos und man erfährt nicht, bei wie viel Patienten die Methode nicht geholfen hat. In China selbst war diese Methode nie die einzige Heilkunst. Sie wurde überwiegend von der Oberschicht praktiziert. Außerdem haben sich auf einigen Gebieten im Laufe der Geschichte viele Varianten und Schulen herausgebildet, die sich teilweise widersprechen oder sogar bekämpfen. 
 
Rezepturen nach chinesischer Medizin sind in Deutschland nicht als Arzneimittel zugelassen und unterliegen demnach nicht dem strengen Arzneimittel-Kontroll-Recht. 
 
Schulmediziner kritisieren vor allem die Diagnose von Krankheiten: Es würden keine genauen, sondern nur sehr vage Befunde erstellt. Die Definition von Krankheit widerspreche teilweise naturwissenschaftlichen Erkenntnissen. Es sei zu befürchten, dass bestimmte Krankheiten, z.B. Organveränderungen, Krebs oder Aids, nicht rechtzeitig erkannt bzw. nicht fachgerecht behandelt werden. Bei rein psychischen Störungen wie Depressionen oder Angst würden nur die Körpersymptome behandelt werden. Krankmachende Probleme würden überhaupt nicht angesprochen werden. 
 
Chinesische Medizin wird von ausgebildeten Medizinern, aber auch von Heilpraktikern praktiziert. Die Ausbildung ist nicht einheitlich, die Abschlüsse nicht staatlich kontrolliert. Es ist stets ein Risiko, zu einem Heilpraktiker zu gehen. 
 
Die chinesische Medizin sei durchaus in der Lage, positiv auf funktionelle Störungen oder chronische Krankheiten einzuwirken. Sie kann Beschwerden lindern. Aber sie sollte stets nur neben einer schulmedizinischen Therapie genutzt werden, nie als alleinige Akutbehandlung. 
 
Kosten:
 
Für eine Behandlungsserie sollte man 500 Euro einplanen. Die Hälfte genügt, um festzustellen, ob die Therapie überhaupt anschlägt. Die gesetzlichen Krankenkassen beteiligen sich nicht an den Kosten einer Behandlung nach den Methoden der chinesischen Medizin. Die einzige (private und gesetzliche) Krankenkasse, die solche Behandlungen bezahlt ist unseres Wissens die Krankenkasse SECURVITA. 
 
Adressen
• Zentrum für Traditionelle Chinesische und Integrative Medizin (kostenlose medizinische Sprechstunde und Behandlung für finanziell Bedürftige9
 
Literatur 
 
Allgemein
 
Schwingenschlögel, T. und Bienert, K. Psoriasis Arthritis aus Sicht der Chinesischen Medizin 
Hempen, Carl Hermann, „Die Medizin der Chinesen - Erfahrungen mit fernöstlicher Heilkunst“ 
Flaws, B. und Wolfe, H. Lee, „Das Handbuch der chinesischen Ernährungslehre. Die moderne Umsetzung ihrer Grundlagen, Methoden und Rezepte 
Temelie, Barbara, „Ernährung nach den fünf Elementen - Wie Sie mit Freude und Genuss Ihre Gesundheit, Liebes- und Lebenskraft stärken. 
Stiftung Warentest, „Die andere Medizin - Nutzen und Risiken sanfter Heilmethoden“ (1991) 
 
Zu Akupunktur und Psoriasis
 
Deadman, Peter, Al-Khafaji, Mazin, Baker, Kevin: „A Manual of Acupuncture“ 
Journal of Chinese Medicine Publications, East Sussex, England 
Lu Yongtian (1983), „Effect of Fructus Psoraleae injection in 800 cases of psoriasis“, Journal of TCM 
Al-Khafaji, Mazin (1988), „Acupuncture prescriptions for tranquillising the heartand calming the spirit“ 
Journal of Chinese Medicine, 4 Seiten
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