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Aloe Vera

Ein Wundermittel?

Niemand, der sich mit Hautkrankheiten beschäftigt, kommt an Aloe Vera Produkten vorbei. Immer wieder versichern Anbieter und Heilpraktiker, mit Aloe Vera könnte man viele Krankheiten, wie z.B. Schuppenflechte oder Neurodermitis, heilen oder wenigstens dauerhaft deutlich eindämmen. Eindrucksvoll stellen sie Fotos und Berichte von „geheilten“ Patienten vor, bei denen die Schulmedizin erfolglos geblieben sei. Doch die angepriesene heilende Wirkung des Fleisches aus den dicken Pflanzenblättern ist wissenschaftlich nicht belegt. Aloe Vera Anbieter versprechen häufig nicht nur Heilung, sondern auch einen guten Nebenverdienst. Die Verbraucherzentrale Hessen warnt: "Wir raten ab von der unkritischen Einnahme und dem Einstieg in den Direktvertrieb von Nahrungsergänzungsmitteln wie Aloe Vera & Co." 
 
Patient wird Teil des Vertriebssystems
 
„Heilung“ der Schuppenflechte dürfen die Anbieter nicht versprechen, weil Aloe Vera nicht als Medikament bei Hautkrankheiten zugelassen ist. Aber es gibt immer wieder Einzelberichte von Menschen, die behaupten, ihre Psoriasis sei durch Aloe Vera weggegangen. Kritiker behaupten, die herumgezeigten Fotos seien seit Jahren immer die gleichen. Alle diese Produkte sind teuer. Mehrere große Anbieter liefern sich einen Glaubenskrieg und behaupten, nur sie hätten die „wahre“ Aloe. Bei vielen Anbietern wird der Käufer gleich Teil des Vertriebssystems. Weil die Produkte so teuer sind, kann man die Ausgaben für den eigenen Bedarf drücken: Man muss nur selbst genug Käufer für die teuren Produkte finden, um auf die eigenen Einkäufe einen großzügigen Rabatt zu erhalten. In Internetforen treten die Verkäufer und ihre Anhänger oft sehr aggressiv gegen jeden auf, der ihre Versprechungen anzweifelt. In Zeiten hoher Arbeitslosigkeit wächst die Anzahl derjenigen, die freiberuflich solche Produkte vertreiben und die davon leben müssen. 
 
Medizinische Wirkung
 
Über die medizinische Wirkung von Aloe Vera auf der Haut gibt es überhaupt bisher nur eine einzige, kontrollierte Studie von 1995. Bei diesem Test ist aber die Wirkung auf die Psoriasis nicht mit untersucht worden. Im Berliner Immanuel-Krankenhaus wird Aloe Vera bei Neurodermitis und anderen entzündlichen Zuständen eingesetzt. Erfahrungen mit Psoriatikern liegen noch nicht vor. Das Problem bei Aloe Vera Produkten ist, dass die Pflanzenwirkstoffe von sehr unterschiedlicher Qualität sind. Sie schwanken wie beim Wein: je nachdem, aus welchem Land, von welchem Boden und mit welcher Zubereitungsmethode das Produkt hergestellt wurde. Die Aloe Vera Pflanze enthält (je nach Herstellerangaben) zwischen 160 und 450 Substanzen. Es gibt keine herausragende „Leitsubstanz“. 
 
Niemand behauptet, Aloe Vera sei komplett unwirksam. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hält das Gel vom frisch abgeschlagenen Blatt für das wirkungsvollste - auch aus dem Blumentopf zu Hause. Wird das Gel erst einmal zu Kosmetika verarbeitet, büßen einige Substanzen ihre Aktivitäten ein. Bei UV-Schäden durch Sonnenbrand verringert Aloe die Rötungen und mildert die Verbrennungen und ist damit eine echte Alternative zum Kortison. Das bewirken aber auch Kamille, Hamamelis, Koriander oder Arnika. Man kann Aloe Vera Gel ebenfalls als Hausmittel anwenden zum Beispiel gegen juckende Insektenstiche oder kleinere Wunden. Um eine stark entzündete Psoriasis zu behandeln, reicht Aloe Vera erfahrungsgemäß nicht aus. Aber es ist anerkannt, dass mit äußerlich aufgetragener Aloe Vera eine Psoriasis-Therapie „unterstützt“ werden kann. Die enthaltenen Kohlenhydrate wie Accemannan treiben die oberflächlichliche Hautheilung voran und Salizylsäure hemmt leichte Entzündungen. Übereinstimmend sagen selbst Kritiker, dass man keine Nebenwirkungen befürchten muss, wenn man Aloe Vera äußerlich aufträgt. 
 
Vorsicht Nebenwirkungen 
Aloe Vera Granulat ist als apothekenpflichtiges, starkes Abführmittel zugelassen. Das enthält Aloin und Anthrachinone. Das Bundesinstitut für Arzneimittel- und Medizinprodukte rät, dieses Abführmittel nicht länger als zwei Wochen einzunehmen. Sonst kann der Wasser- und Elektrolyt-Haushalt des Körpers schwer beeinträchtigt werden. Aloin + Anthrachinone werden verdächtigt, bei Daueranwendung Krebs zu erzeugen und das Erbgut zu schädigen. 
 
In Kosmetika und Lebensmitteln wie Aloe Vera Saft sind diese risikoreichen Stoffe nicht mehr enthalten. Trotzdem sollte, wer Aloe Saft trinkt, nicht zu viel davon aufnehmen. Das jedenfalls meint Pof. P. Proksch von der Uni Düsseldorf. Es sei denkbar, dass Aloe Vera Saft die Wirkung von Arzneimitteln beeinflusse. So könnten die ballaststoffreichen Kohlenhydrate von Aloe Vera die Aufnahme von lebensnotwendigen Medikamenten im Darm verringern, wie beispielsweise bei Herzpatienten. Die Stiftung Warentest dagegen meint, dass der Saft „ohnehin nicht viel Bioaktivstoffe“ enthalten könne. Er würde meist aus dem Aloe Vera Gel hergestellt, das zu 98,5 % aus reinem Wasser besteht. Das Gel enthalte 0,3 % Kohlehydrate und 1,2 % Vitamine, Mineralstoffe und Enzyme. Nicht sehr viel für ein angeblich „einzigartiges Wirkstoffgefüge“ (Herstellerwerbung). 
 
Frank Herfurth (Verband Freier Heilpraktiker und Naturärzte, Köln) weist darauf hin, das billige Aloe Produkte oft von schlechter Qualität seien. Sie sollten auf jeden Fall von der Aloe Barbadensis stammen. Für kontrollierte Rohware und Verarbeitung, so die Stiftung Warentest, bürgen das Bio-Siegel, die Siegel von Neuform oder vom IASC = International Aloe Science Council. 
 
Placebo-Effekt?
 
Sicherlich gibt es Fälle, bei denen die Krankheit tatsächlich zurückgegangen ist, wenn jemand seine Psoriasis-Stellen mit Aloe Vera eingecremt hat. Streng wissenschaftlich ist es aber nicht eindeutig zuzuordnen, ob es tatsächlich die Aloe Vera war, die diesen Rückgang bewirkt hat. Das kann, muss aber nicht sein! Zum einen "wirken" Mittel auch dann, wenn man fest daran glaubt. Immer wieder zeigt es sich, wie beeinflussbar wir Menschen sind. Da gibt man Kranken eine angebliche Wunderpille, inszeniert eine intensive Beratung durch einen unangreifbaren Experten. Man schafft ein Klima, in dem sich die verzweifelten Patienten hoffnungsvoll an dieses Versprechen klammern und alles glauben. Bei einem Drittel der Menschen hilft diese Pille dann wirklich und führt sogar zu Nebenwirkungen. Eben der typische "Placebo-Effekt". Unglaublich, aber wahr, dass man bei manchen Menschen eine Krankheit nur über die Psyche beeinflussen kann. Selbst vorgetäuschte Knieoperationen oder Schein-Akupunkturen können erfolgreich wirken! 
 
Mediziner weisen darauf hin, dass viele Kranke erst dann zu einem "Wundermittel" greifen, wenn sie schon völlig verzweifelt sind. Bei einigen ist die Krankheit dann so weit fort entwickelt, dass sie auch ohne jede Behandlung zurückgehen würde. Das trifft typischerweise gerade bei der Psoriasis immer wieder zu, weil sie schubweise auftritt. Wer in dieser Zeit gerade Aloe Vera oder ein anderes Mittel genommen hat, glaubt natürlich, das hätte geholfen. 
 
Der Verbraucher wird hinters Licht geführt und womöglich gefährdet, wenn er gutgläubig seine bisherigen Therapien absetzt. Patienten sollten sich auf Aloe allein zur Heilung ihrer Krankheit nicht verlassen, sondern unbedingt bei der ärztlich verordneten Therapie bleiben. 
 
Unsere Zweifel gelten für Aloe Vera wie für alle andere angepriesene Wundermittel. Wenn einige Psoriatiker damit ihre Haut erscheinungsfrei bekommen haben, freuen wir uns von ganzem Herzen für sie. Leider sind das nach unseren Erfahrungen nur einzelne Fälle. Aloe Vera ist eine lang bekannte Heilpflanze. Das bestreitet niemand. Wir meinen: Jeder, der Aloe Vera ausprobieren will, sollte es machen. Schaden kann es bei einer schwachen Psoriasis nicht. Bei einer starken Verlaufsform sollte man Aloe immer nur zusätzlich zu einer ärztlich überwachten Therapie anwenden und nie an deren Stelle! 
 
Sachinformation contra Werbeversprechen
 
Wundermittel gegen Psoriasis werden überall und zu jeder Zeit angeboten. Seien Sie stets misstrauisch. Beschaffen Sie sich unterschiedliche Informationen über eine angeblich so erfolgreiche Therapie! Seien Sie immer sehr vorsichtig, wenn Ihnen jemand etwas verkaufen will! Niemand von uns glaubt alles, was die Werbung verspricht. Warum sollte das bei solchen Präparaten anders sein? 
 
Völlig klar, dass Eltern für ihre Kinder nicht gleich die stärksten Pharma-Produkte nehmen wollen. Allen raten wir: Wenn möglich, behandeln Sie Ihre Kinder erst mit dem mildesten Wirkstoff, der für Psoriasis geeignet ist. Und der wird selten aus der Pharmafabrik kommen! Aber seien sie skeptisch, wenn ein Mittel angeblich gegen „fast alle“ Krankheiten helfen soll! 
 
Quellen:
  • ”Quivive – das Gesundheitsmagazin“,RBB, Fernsehbeitrag vom 04.02.04, 20.15 Uhr, Autorin: Erika Brettschneider 
  • „Heilpflanze Aloe Vera kein Wundermittel - In Nahrungsmitteln wird die Wirkung der Wüstenlilie stark überschätzt“ Berliner Morgenpost vom 13. August 2005 
  • "Die wahre Aloe" Stiftung Warentest, test 7/2003, S. 24f. Stiftung Warentest 
  • "Aloe Vera: Das einzig Wahre auch bei Psoriasis?" PSO aktuell 4/2002, Seite 16ff. 
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