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Interferenzstrom

Im Frühjahr 2000 wurde eine Methode bekannt, um die Schuppenflechte an Händen und Füßen erfolgreich zu behandeln. An der Hautklinik der Uni Mannheim wurden im Rahmen einer streng wissenschaftlich abgesicherten Studie Patienten mit „Interferenzstrom (IFS) therapiert. Die beteiligten Ärzte empfehlen inzwischen - nach langjähriger Erfahrung- diese IFS-Therapie weiterhin nur für die Psoriasis an Händen und Füßen. Interferenzstrom wirke zwar auch an anderen Körperstellen, sei aber den üblichen Psoriasis-Therapien nicht überlegen, sondern eher umständlicher. Die Hersteller dagegen bieten teilweise Zusatzteile an, um Rumpf, Kopf, Nägel und Gelenke mit Interferenzstrom behandeln zu können. Weil diese IFS-Methode rechtlich nicht geschützt ist, gibt es mehrere Anbieter auf dem Markt, deren Geräte sich teilweise technisch stark unterscheiden. Umstritten unter den Experten ist, ob und wie sich diese technischen Unterschiede für den Abheileffekt der Psoriasis auswirken. Nur diejenigen Anbieter dürfen sich auf die erfolgreiche Studie berufen, deren Geräte technisch 1:1 die gleichen Werte vorweisen, wie die in der Mannheimer Studie benutzten. Es ist bisher noch keine weitere, ordentliche Patientenstudie veröffentlicht worden, die nachweist, dass auch abweichende Interferenzstromgeräte erfolgreich sind. Das sagt aber nicht, dass sie den Betroffenen nicht helfen, sondern nur, dass deren Wirkung noch nicht wissenschaftlich nachgewiesen ist. 
 
Mit Interferenzstrom wurden zwölf Patienten behandelt, die seit mindestens einem Jahr schwer an den Händen befallen waren und durch übliche Mittel nicht erscheinungsfrei wurden. Sie mussten täglich morgens und abends jeweils sechs Minuten ihre Hände in ein Wasserbad halten. Das wurde an zwei Elektroden mit Interferenzstrom angeschlossen. Die Patienten spürten dabei ein schwaches Kribbeln auf der Haut. Nach drei Monaten zeigte sich nur bei einem Patienten keine Wirkung. Bei den anderen elf wurde das Ergebnis mit "deutlich abgeheilt" oder "deutlich reduziert" angegeben. Dieses Therapieergebnis hätte durch eine Langzeitstudie an einer größeren Patientengruppe abgesichert werden müssen, weil natürlich 12 Testpersonen keine seriöse Aussage zulassen. Weil für mehr Testpersonen mehr teure Geräte hätten angeschafft werden müssen, ist es aus finanziellen Gründen nicht mehr zu einer weiteren Studie gekommen. Das Verfahren wurde aber in der Klinik weiter bei Patienten angewendet. Nach mehrjähriger praktischer Erfahrung geht man dort davon aus, dass 40% bis 50% der Behandlungen erfolgreich sind. 
 
In Karlsruhe wurde an den unterschiedlichsten Instituten von den Professoren Dertinger (Institut für Medizintechnik und Biophysik IMB) und Meyer-Waarden (Institut für Biomedizinische Technik IBT) die Grundlagen erforscht. Ziel war, die technischen Bedingungen für Interferenzstromgeräte herauszufinden, unter denen Schuppenflechte erfolgreich behandelt werden kann: Man weiß, dass menschliche Zellen auf niederfrequenten Strom reagieren. Um auch mittelfrequente Ströme wirksam werden zu lassen, müssen diese Ströme mit einem niederfrequenten Rhythmus (Frequenz) in ihrer Stärke verändert (moduliert) werden. Die Wissenschaftler des IMB arbeiteten mit Wechselströmen von 4.000 Hertz, während die des IBT 10.000 Hz bevorzugten. Die Modulationsfrequenzen sind 10 und 100 Hertz; die Stromdichten ca. 100 mA/cm2. Dieser Interferenzstrom sorgt dafür, dass die Hautzellen mehr Botenmoleküle cAMP (cyclisches Adenosin-monophosphat) bilden. Das cAMP sendet an die Haut Signale aus, sich weniger zu teilen, Die überstürzte Teilung der Oberhautzellen beginnt sich zu normalisieren. Die Schuppenflechte heilt ab. Es wird vermutet, dass durch den Interferenzstrom der Haut außerdem signalisiert wird, weniger Entzündungen zu bilden. 
 
Die Wissenschaftler haben symptomfreie Pausen bis zu einem Jahr beobachtet und behaupten, die Therapie sei ungefährlich und könne immer wieder angewandt werden. Das ist aber rein theoretisch, denn Langzeituntersuchungen liegen nicht vor. Es ist noch nicht erforscht worden, ob sich die Patienten an die IFS-Therapie gewöhnen, wenn sie sie über längere Zeit anwenden. Nützt dann eine höhere Dosis noch etwas oder schlägt die Wirkung sogar um? Man weiß auch noch nicht, ob man beeinflussen kann, wie lange ein Patient erscheinungsfrei ist. 
 
Als Selbsthilfegruppe können wir den Streit der Experten nicht entscheiden, welche technischen Details an den Geräten unbedingt beibehalten werden müssen, damit die Psoriasis positiv beeinflusst wird. Wir wissen nicht, wie sich technische Abweichungen auswirken. So stritten sich in der Vergangenheit z.B. die Experten der beiden genannten Institute darüber, ob eine Stromstärke, die über den Werten der Mannheimer Studie liegt, den Heilerfolg positiv oder negativ beeinflusst. Vergleichende Untersuchungen darüber gibt es nicht. Wir können den betroffenen Patienten nur raten, das selbst auszuprobieren. Patienten mit Herzschrittmacher aber dürfen sich auf keinen Fall mit Interferenzstrom behandeln lassen. Interessierte sollten sich mit ihrem Hautarzt beraten. Am günstigsten ist es, wenn Sie sich im Rahmen eines Klinikaufenthalts mit der IFS-Behandlung vertraut machen. Der Hersteller IONTO-COMED gab bisher bereitwillig Auskunft, welche Klinik bzw. welcher Arzt in Ihrer Nähe ein Interferenzstromgerät für Psoriatiker hat. Sie können sich aber auch auf eigene Kosten ein Heimgerät anschaffen. Das wird zwar nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen, ist aber steuerlich absetzbar, wenn eine Heilmittelverordnung des Arztes vorliegt. Natürlich möchte niemand ein Gerät kaufen, von dem er nicht sicher ist, ob es ihm wirklich hilft. Deshalb sollten Sie bei den teuren Geräten darauf achten, ob Sie es zu erst einmal mieten können oder ob es nach einer angemessenen Anwendungszeit (z.B. sechs Wochen) zurückgenommen wird. 
 
Vorsicht beim Kauf von Heimgeräten 
 
Unsere Selbsthilfegruppe hat sich zweimal ausführlich über diese Therapie informiert. Der „Entdecker“, Professor Dertinger vom Forschungszentrum Karlsruhe war bei uns in Berlin und hat uns die Wirkungsweise erklärt. Anschließend haben wir öffentlich die in 2001 auf dem Markt befindlichen Geräte überprüft. Eines davon hat die technischen Vorgaben nicht erfüllt. In 2005 werden angeboten: 
 
1. „NEPTUN-SL" der Firma Nemectron GmbH. Das Gerät entspricht technisch genau (1:1) den Geräten, mit denen die Studie in Karlsruhe und Mannheim erfolgreich durchgeführt wurde. Es hat zwei Schalter, damit die Modulationsfrequenz von 10 Hz auf 100 Hz umgeschaltet werden kann. Der Hersteller empfiehlt es nicht nur für Hände und Füße, sondern auch bei großflächigem Pso-Befall am ganzen Körper. Darüber hinaus soll es verwendet werden können z. B. für die allgemeine Schmerzbehandlung im Wirbelsäulen- und Gelenkbereich. Das Gerät kostete in 2001 knapp 1.700 Euro. 
 
2. „IONTO® PSO“ der IONTO-COMED GmbH. Das Gerät wurde am Institut für Biomedizinische Technik der Uni Karlsruhe entwickelt. Die Frequenz des „Trägerstroms“ liegt bei 10 KHz und nicht bei 4 KHz, weil man davon ausgeht, dass dadurch die Therapie effektiver und wirksamer wird. Die Modulationsfrequenz kann bei diesem Gerät ebenfalls von 10 Hz auf 100 Hz umgeschaltet werden. Es werden, neben den Elektroden für Hände und Füße, auch solche für andere Körperpartien und den ganzen Körper angeboten. Der Hersteller empfiehlt das Gerät auch für eine „allgemeine Schmerzbehandlung“. Es kostete in 2001 rund 720 Euro, kann aber auch gemietet werden. 
 
 
3. „CellVAS® psoriasis“ von Software + Systeme Erfurt GmbH ist seit Ende 2005 auf dem Markt. Nach Angaben der Vertriebsfirma entspricht es technisch den Geräten, mit denen die Studie in Karlsruhe und Mannheim erfolgreich durchgeführt wurde. Auch bei diesem Gerät können die Modulationsfrequenzen von 10 Hz auf 100 Hz umgeschaltet werden kann. Es kostet 660,00 € zzgl. MWSt. Das Gerät darf auch erst einmal für monatlich 80,00 € (inkl. Mehrwertsteuer) gemietet werden. Innerhalb von 4 Wochen kann man sich für den Kauf entscheiden oder es jederzeit zurückschicken. Dann wird die Miete taggenau abgerechnet. 
 
Das Gerät von NEMECTRON ist in der erwähnten wissenschaftlichen Vorstudie erfolgreich getestet worden. Der Hersteller gibt das Gerät den Patienten nicht direkt mit nach Hause. Der behandelnde Arzt müsse vorher intensiv geschult sein, weil der Erfolg bei kleinsten Fehlern gefährdet sein könne. IONTO-COMED bietet ein ähnliches, aber technisch verändertes Gerät an. Die Patienten können es vor dem Kauf ausleihen. Bei der Vorstellung in Berlin zeigte der Hersteller Fotos von Behandlungserfolgen bei fünf Patienten. In drei Fällen wurde die IF-Stromtherapie mit anderen Wirkstoffen (Dithranol, Vitamin D3 u.ä.) kombiniert. Zwei Patienten wurden nur mit dem Gerät behandelt. Eine wissenschaftliche Studie liegt nicht vor. IONTO-COMED hat sich seinerzeit mit einer sehr aufwendigen Werbekampagne direkt an die Patienten gewendet. Wir hatten ein Gerät in Berlin. Patientin und behandelnder Arzt wurden sehr knapp in die Behandlung eingeführt. Es gab keine Hinweise auf falsche Anwendungsformen. Der Hersteller geht davon aus, dass die Behandlung im Extremfall sechs Monate dauern könne. Als die Behandlung nach drei Monaten abgebrochen wurde, gab es keine Auswertung mit Arzt und Patientin. Für uns als Patientengruppe ist es bisher unklar, worin sich der 3 x so teure „NEPTUN-SL“ vom „CellVAS® psoriasis“ unterscheidet, wenn technisch die gleichen Bedingungen vorliegen. 
 
Dr. med. Arnim Philipp hat vermutlich die längste praktische Erfahrung mit dieser Therapie. Er bedauert, dass diese „einfache und nebenwirkungsarme Therapieform in Vergessenheit“ geraten ist. Er ist weiterhin davon überzeugt, dass Interferenzstrom bei Psoriasis an Händen und Füßen wirkt (PSO aktuell 3/2004). 
 
Wir haben in unserer langjährigen Erfahrung folgende Faustregel entwickelt: Nicht jeder Psoriatiker spricht gleich gut an auf eine Therapie oder ein Medikament. Was dem einen hilft, kann bei dem anderen mehr oder weniger wirkungslos bleiben. Eine Behandlung, die nach sechs Wochen nicht erste sichtbare Erfolge erzielt, ist vermutlich für den Patienten nicht geeignet. Auch längeres Probieren führt dann selten zum Therapieerfolg. 
 
Weitere Informationen über die Interferenzstrom-Therapie finden Sie im Psoriasis-Netz
Angaben über die Anbieter von Interferenzstrom-Geräten finden Sie im Adressbuch des Psoriasis-Netzes
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