Aktuelle Seite: StartseiteVereinTherapienBestrahlungs-Risiken

Bestrahlungs-Risiken

Wie gefährlich ist die UV-Therapie?
 
In Deutschland gibt es ca. 1,6 Millionen Menschen, die an Psoriasis (Schuppenflechte) erkrankt sind. Fast jeder davon lässt sich regelmäßig mit künstlich erzeugter UV-Strahlung behandeln. Auch die viel größere Gruppe der Neurodermitiker (atopisches Ekzem) wird mit künstlichem UV-Licht bestrahlt. Für uns als Patientenorganisation ist nicht 100%-ig zu klären, wie gefährlich diese Therapie auf lange Sicht wirklich ist. Einerseits gibt es Experten, die unabhängig voneinander Untersuchungen veröffentlicht haben, nach denen auch die therapeutische UV-Behandlung gefährlich sein kann. Andererseits liegen neuere Untersuchungen vor, die gerade nicht bestätigen, dass UV-bestrahlte Hautpatienten vermehrt an Hautkrebs erkranken. Diese Untersuchungen sind im Folgenden noch nicht berücksichtigt!  Zwar gibt es seit einigen Jahren eine Bestrahlungslampe, die völlig ohne UV-Strahlen auskommt. Aber bei Psoriatikern kennen wir erst Einzelfälle, in denen dieses Verfahren gewirkt hat. 
 
Patienten und Ärzte sind oft zu sorglos
 
Jahrzehntelang sind die Risiken gerade der medizinischen UV-Bestrahlung entweder unterschätzt oder heruntergespielt worden. Eine US-amerikanische Studie hat die größere Hautkrebsgefahr durch UVA-Bestrahlungsgeräte eindeutig festgestellt. In Berlin hat sich bei einer technischen Prüfung herausgestellt, dass viele medizinische Hautbestrahlungsgeräte therapeutisch nicht so wirkungsvoll wie behauptet sind oder sie gefährliche UVC-Strahlen abgeben. 
 
Vor allem niedergelassenen Ärzten ist es oft zu teuer, die Strahlungsintensität ihrer UV-Geräte regelmäßig messen zu lassen. Dadurch werden Hunderttausende von Patienten in Deutschland bestrahlt, ohne dass klar ist, welche Dosis auf sie einwirkt. Wir kritisieren, dass Hautärzte und Patienten oft viel zu sorglos mit der UV-Therapie umgehen. Üblich ist z.B. eine "Erhaltungs-Bestrahlung", selbst wenn der Patient schon wieder erscheinungsfrei ist. Hautkranke Patienten sollten sich heutzutage nur dann auf eine UV-Therapie einlassen, wenn sie sich vorher über ihr persönliches Risiko informiert haben. 
 
Sonnenlicht, ob natürlich oder künstlich, hilft den Hautkranken, für einige Zeit erscheinungsfrei zu bleiben. In den Hautpraxen und -kliniken werden die unterschiedlichsten UV-Therapien angeboten: UVA, UVB, PUVA, Balneo-Fototherapie, SUP, UVA1 usw. Die Hersteller dieser therapeutischen Geräte haben bisher immer bestritten, dass durch die Bestrahlungstherapie das Hautkrebsrisiko von Patienten steigt. Sichtbar werden Schäden aber erst 20 bis 30 Jahre nach der Bestrahlung. 
 
Obgleich seit 1915 mit künstlichem UV-Licht behandelt wird, gibt es nirgendwo langjährige Untersuchungen über deren Nebenwirkungen. Das hat sich geändert: Immer mehr Wissenschaftler beschäftigen sich inzwischen mit den Risiken des künstlichen UV-Lichts. Mitte 2001 warnte Prof. Eckard Breitbart davor, zu oft ins Solarium zu gehen. "Mittlerweile ist nachgewiesen, dass auch UVA-Strahlen Hautkrebs verursachen". Auch Prof. Dr. med. Jean Krutmann verweist darauf, dass die "Gefahren des UVA-Lichtes [...] jahrelang unterschätzt" wurden. Beide Mediziner wurden bestätigt durch eine Untersuchung von der Dartmouth Medical School (USA), bei der 900 Hautkrebspatienten und 540 Kontrollpersonen untersucht wurden. Personen, die sich dem künstlichen UVA-Licht ausgesetzt haben, erkranken danach dreimal so oft an einem Platten-Epithel-Karzinom. Das Risiko eines Basal-Zell-Karzinoms steigt bei ihnen um 50%. UVA wird aber nicht nur in Solarien verwendet, sondern auch bei der Behandlung von Hautkrankheiten! 
 
Jeder Arzt wird, bevor er die persönliche Bestrahlungsdosis festlegt, den Hauttyp bestimmen. Dafür gibt es handliche, sehr genaue Messgeräte, die aber nur äußerst selten in dermatologischen Arztpraxen vorhanden sind. Es wird meist lediglich geschätzt, welcher Hauttyp vorliegt, d.h. wie viel UV-Licht ein Patient ohne Schaden verträgt. Kaum ein Arzt fragt nach der Vorgeschichte, d.h. wie viel künstliches und natürliches UV-Strahlung der Patient schon auf-genommen hat. Auf einer Veranstaltung des Psoriasis Forum Berlin riet Prof. Hans Meffert von der Charitè, der Haut jährlich nicht mehr als 50 "erwähnenswerte" Bestrahlungen zuzumuten. Er kritisierte, dass Patienten wie Ärzte mit der UV-Therapie oft zu sorglos umgingen. 
 
In Berlin wurde erstmals eine Studie über Wirksamkeit und Risiken der UV-Therapie bei Psoriatikern durchgeführt. Bemerkenswert ist das Ergebnis: Bis auf eine sind alle anderen Bestrahlungslampen der natürlichen Sonnenstrahlung therapeutisch unterlegen. Die Studie spricht von "eklatanten qualitativen Mängel zahlreicher Geräte und Gerätetypen". Viele strahlen unerwünschte UV-Spektren ab, einige sogar das besonders gefährliche UVC. Lediglich Geräte mit dem "Philips TL/01"-Strahler haben eine günstige therapeutische Wirkung. In den meisten Fällen wäre ein Sonnenbad auf dem Balkon wirksamer, als die Bestrahlung beim Arzt. Damit die Therapie mit diesen Geräten über-haupt wirkt, muss unnötig lange bestrahlt werden. Hinzu kommt, dass die UV-Lampen im Laufe der Zeit schwächer werden. Es ist ein offenes Geheimnis, dass in etlichen Praxen Geräte zur UV-Therapie stehen, die nicht vermessen sind und bei denen selbst der Praxis-Inhaber nicht unbedingt weiß, was diese Geräte abstrahlen. Vermessen kostet Geld und das bekommen die Ärzte nicht von den Kassen erstattet. Das bedeutet, Patienten gehen 3-4 x pro Woche zur UV-Therapie, oft nur mit mäßigem Erfolg, weil die Dosierung therapeutisch nicht optimal ist. 
 
Viele Psoriatiker haben UV-Lichtkämme zu Haus. Prof. Wollin (Dresden) und Prof. Sterry (Berlin) bestätigen, dass zwar alle Bestrahlungskämme UVC abstrahlen. Die Dosis sei aber "medizinisch nicht bedenklich [...] und erfüllt die geschriebenen Sicher-heitsnormen". Wir raten jedem, der einen älteren Pso-Kamm hat, sich vom Hersteller ausdrücklich versichern zu lassen, dass sein Modell kein schädliches UVC abgibt. 
 
Zusammenfassend muss man sagen:
 
Es gibt keine ungefährliche UV-Bestrahlung, auch nicht, wenn sie vom Arzt verschrieben wird. Das Hautkrebsrisiko steigt, wenn man sich auf ein technisch problematisches Gerät einlässt. Patienten müssen sich unbedingt sachkundig machen, welches Gerät mit welchem UV-Spektrum und welcher Lampe für sie in Frage kommt. Sie sollten sich nicht scheuen, den Arzt genau nach den verwendeten Lampen zu fragen und wie diese Geräte gewartet werden. 
 
Die Bestrahlung darf nicht zu hoch dosiert werden. Das aber ist eher ein Problem der Solarien. 
 
Wir raten dringend davon ab, vorbeugend oder "erhaltend" zu bestrahlen. Man muss sich nicht so lange mit UV bestrahlen lassen, bis auch die letzten kleinen Psoriasis-Stellen verschwunden sind. Als Richtwert empfehlen wir, sich nicht mehr als 50-mal im Jahr dem UV-Licht auszusetzen, unabhängig davon ob es sich um ein Sonnenbad oder ein Bestrahlungsgerät handelt. 
 
Patienten sollten eine UV-Therapie abbrechen, wenn sie nach drei Wochen keinen deutlichen Erfolg sehen. 
 
Jeder Hautpatient, der seine Krankheit regelmäßig mit UV-Licht behandelt, sollte sich ebenso regelmäßig nach Hautkrebs untersuchen lassen. Verdächtige Stellen sollten gleich dem Arzt gezeigt werden. 
 
Wir fordern, dass die Hersteller von UV-Bestrahlungsgeräten verpflichtet werden, das UV-Spektrum der verwendeten Lampen von unabhängigen Gutachtern messen zu lassen. Im Preis der Geräte sollte eine halbjährliche Wartung und Messung der Geräte für die vermutete Betriebsdauer mit einkalkuliert werden, um Patienten vor unnötiger Bestrahlung zu schützen.
 
Völlig ohne UV-Strahlen kommt die so genannte "Lichtimpfung" aus. Bei Neurodermitis gibt es damit schon beachtliche Erfolge. Aber bisher (März 2009) war dieses Verfahren bei Psoriatikern nur vereinzelt erfolgreich. Trotzdem lohnt es sich unseres Erachtens, diese Bestrahlungstherapie im Auge zu behalten. Einzelheiten auf der Firmenseite von OptoMed.
 
Sonnenbad per Satellit
 
Eine SMS oder ein eMail sagt Ihnen, wie lange Sie in der Sonne sein dürfen: Genau für den Ort in Europa, an dem Sie sich gerade aufhalten und genau für Ihren Hauttyp. Sie geben nur Ihren Standort und die Bewölkungsdichte ein. Sofort erfahren Sie, wie lange Sie sich an diesem Ort höchstens ohne Schutzmittel sonnen sollten. Sie müssen sich lediglich vorher einmal im Internet unter www.uv-check.de registrieren lassen. Dabei werden Sie nach Ihrem Hauttyp gefragt (weiß der Hautarzt). 
 
Möglich macht das ein Projekt des Berufsverbandes Deutscher Dermatologen mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Dieser UV-Check ist europaweit mit dem Handy oder über das Internet (Internetcafé) 24 Stunden täglich zu erreichen. 
 
Quelle: Der Deutsche Dermatologe 4-03, zitiert im "Hautfreund" 6/2003 (Zeitschrift vom Deutschen Neurodermitiker Bund e.V.) 
 
Quellen
 
1. Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention bei der Deutschen Krebshilfe, Hamburg 
2. "Der Mythos der gesunden Bräune", Franziska Beckmann, Berliner Zeitung 25.10.01. Siehe auch: "Fataler Teutonengrill", Ralf Müller, Berliner Zeitung 04.07.01 
3. Institut für Umweltmedizinische Forschung, Heinrich Heine Universität Düsseldorf 
4. Klinikzeitung der Alexanderhaus Klinik, Davos (Schweiz) vom Januar 2002 
5. "Hautkrebs durch UV-Kunstlicht?" Meldung in der Ärzte Zeitung vom 07.02.02 und "Künstliches Sonnenbad fördert Hautkrebs", Nicole Waschke, www.Wissenschaft.de 
6. "Psoriatiker und Hautkrebs: Wie gefährlich ist die Bestrahlungstherapie?" Prof. Dr. med. H. Meffert und, Dr. rer. nat. H. Piazena am 03.07.02 im Psoriasis Forum Berlin 
7. "Photobiologische Bewertung der UV-Strahlung", Helmut Piazena, Hans Meffert und Heinrich Kaase, TU Berlin, Institut für Elektronik und Lichttechnik, Universitätsklinikum (Charité) Berlin 2002 
8. ehemalige Berliner Vorsitzende der Berliner Dermatologischen Gesellschaft in: "Verbrannt - Dubiose Machenschaften bei der UV-Bestrahlung", Markus Zeidler in Plusminus, ARD-Fernsehen am 25.06.02 
9. "Bedenklich: UV-Kämme strahlen viel UVC ab", PSO Magazin 3/02, Mitgliedszeitschrift des Deutschen Psoriasis Bundes e.V. 
10. "Verbrannt ...". a.a.o. 
11. "Verbrannt ...". a.a.o.
Zum Anfang